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Kurz gesagt: Schnittschutzhandschuhe werden nach EN 388 bewertet. Maßgeblich ist heute der Buchstabe von A bis F aus dem TDM-Test: Er gibt an, welche Kraft in Newton nötig war, um das Material mit einer geraden Klinge zu durchtrennen. Die alte Ziffer aus dem Coup-Test steht oft daneben, ist aber weniger aussagekräftig.
Kaum eine Kennzeichnung wird so oft falsch gelesen wie die Schnittfestigkeit. Auf vielen Handschuhen stehen zwei Werte nebeneinander, und der bekanntere ist der schwächere.
Schnittschutzhandschuhe: Buchstabe schlägt Ziffer
| Stufe | Erforderliche Kraft | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| A | ab 2 Newton | leichte Montage, Verpackung |
| B | ab 5 Newton | allgemeine Handhabung mit Kanten |
| C | ab 10 Newton | Blech, Glas, Umreifungsband |
| D | ab 15 Newton | Metallverarbeitung, Glasindustrie |
| E | ab 22 Newton | Zuschnitt mit Messern |
| F | ab 30 Newton | höchste Stufe, Zerlegearbeiten |
Die frühere Ziffer von 1 bis 5 stammt aus dem Coup-Test, bei dem eine rotierende Rundklinge über das Material läuft. Bei schnittfesten Garnen stumpft diese Klinge während der Prüfung ab, wodurch das Ergebnis unzuverlässig wird. Genau deshalb wurde der TDM-Test mit gerader Klinge ergänzt. Wie die gesamte Ziffernfolge zu lesen ist, steht im Ratgeber Arbeitshandschuhe: EN 388 richtig lesen.
Steht auf dem Handschuh ein X an der Stelle des Coup-Tests, ist das keine Abwertung, sondern der Hinweis, dass der Test wegen Abstumpfung nicht gewertet wurde. Der Buchstabe daneben ist dann der relevante Wert.
Wie der TDM-Test abläuft
Beim TDM-Verfahren nach ISO 13997 fährt eine gerade Klinge einmal über das Material, und zwar mit zunehmender Kraft, bis sie es durchtrennt. Gemessen wird die Kraft in Newton, die dafür nötig ist. Jede Prüfung verwendet eine neue Klinge, weshalb das Abstumpfen keine Rolle spielt.
Der Coup-Test arbeitet dagegen mit einer rotierenden Rundklinge, die hin und her läuft, bis das Material durchtrennt ist. Verglichen wird mit einem Referenzgewebe, daraus ergibt sich der Index und daraus die Ziffer 1 bis 5.
Beide Verfahren stehen weiterhin nebeneinander in der Norm. Für schnittfeste Garne ist der TDM-Wert die verlässliche Angabe, für einfache Baumwoll- oder Lederhandschuhe reicht der Coup-Test.
Welche Stufe zu welcher Arbeit passt
Schnittschutzhandschuhe der Stufen A und B sind Alltagsware für Montage und Lager, wo gelegentlich Kanten vorkommen. Ab C wird es ernst: Blechteile, Glas, Umreifungsbänder und Werkzeuge mit Klingen.
Stufen E und F gehören dorthin, wo mit Messern zugeschnitten oder zerlegt wird. Dort sind sie meistens auch vorgeschrieben, weil die Gefährdungsbeurteilung das ausweist. Für Arbeiten mit Handmessern in Richtung Körper reicht Schnittschutz allein allerdings nicht, dort kommt Stechschutz dazu.
Schnitt ist nicht Stich
Schnittschutz schützt gegen ziehende Klingen, nicht gegen Stiche. Für Stechschutz, etwa beim Zerlegen mit Handmessern, gibt es eigene Anforderungen und eigene Produkte, oft aus Kettengeflecht.
Ebenso wenig deckt EN 388 die Kettensäge ab. Handschuhe für Motorsägenarbeit folgen einer eigenen Norm und arbeiten mit langen Fasern, die das Kettenrad blockieren. Ein Handschuh mit F ist dafür kein Ersatz.
Material und Alltagstauglichkeit
Hohe Schnittfestigkeit entsteht meist durch Garne mit Glas- oder Stahlfaseranteil, oft kombiniert mit Polyethylen mit ultrahohem Molekulargewicht. Das macht den Handschuh fester, aber auch steifer.
- Beschichtung. Nitril oder Polyurethan sorgen für Griff. Ohne Beschichtung rutscht der Handschuh an glatten Teilen.
- Fingerfertigkeit. Je dünner das Garn, desto besser das Gefühl, desto niedriger meist die Stufe.
- Nässe. Öl und Wasser senken den Griff; dafür gibt es Beschichtungen mit Mikrostruktur.
- Waschbarkeit. Manche Modelle sind waschbar, was bei hochwertigen Garnen die Kosten senkt.
Die Faustregel: so viel Schutz wie nötig, so viel Gefühl wie möglich. Ein Handschuh der Stufe F, mit dem niemand eine Schraube aufnimmt, wird ausgezogen, und dann schützt er gar nicht.
Passform entscheidet mit
Ein zu großer Schnittschutzhandschuh verschiebt die Schutzfläche und wirft Falten, ein zu kleiner reißt an den Nähten. Wie du die Größe bestimmst, steht im Ratgeber Arbeitshandschuhe Größe.
Bei Arbeiten an laufenden Maschinen gilt zusätzlich: Wo Teile rotieren, sind Handschuhe oft verboten, weil sie erfasst werden können. Schnittschutz ändert daran nichts.
Wichtig ist außerdem die Stulpenlänge: Bei Arbeiten mit Blech und Glas reicht der Schnitt oft über das Handgelenk hinaus, dann sind längere Stulpen oder Armschützer sinnvoll.
Wann sie ersetzt werden
Bei durchgescheuerten Kuppen, beschädigter Beschichtung, aufgegangenen Nähten und nach jedem Schnittereignis. Ein Handschuh, der einmal durchtrennt wurde, ist an dieser Stelle ohne Schutz, auch wenn das Garn noch zusammenhält. Die Merkmale im Überblick stehen im Ratgeber Arbeitshandschuhe wechseln.
Wer Handschuhe wäscht, prüft danach Griff und Form; eine verhärtete Beschichtung ist ein Ausschlusskriterium.
Weitere Beiträge sammelt die Kategorie PSA & Schnittschutz, die Kurzdefinition der Leistungsstufen steht im Glossar unter EN 388 Leistungsstufen.
Für die Beschaffung hat sich bewährt, zwei Stufen im Haus zu haben: eine leichte für den Alltag und eine höhere für die Arbeiten mit Klingen. Wer nur eine Sorte vorhält, wählt sie erfahrungsgemäß zu fest, und dann liegen die Schnittschutzhandschuhe in der Kiste, während die Leute mit dünnen Montagehandschuhen zuschneiden.
Und ein Wort zur Ausgabe: Schnittschutz ist teurer als einfache Montageware, hält aber länger, wenn er nicht zweckentfremdet wird. Wer damit Öl wischt oder Teile reinigt, verschleißt Beschichtung und Garn schneller als nötig.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Buchstabe auf Schnittschutzhandschuhen?
Er gibt die Schnittfestigkeit nach dem TDM-Test an, von A ab 2 Newton bis F ab 30 Newton.
Warum steht manchmal ein X?
Weil der Coup-Test wegen Abstumpfen der Klinge nicht gewertet wurde. Der Buchstabe ist dann maßgeblich.
Schützen sie auch gegen Stiche?
Nein. Stechschutz ist eine eigene Anforderung und wird getrennt geprüft.
Ist Stufe F immer die beste Wahl?
Nein. Sehr feste Handschuhe kosten Fingerfertigkeit; passend ist die Stufe, die zur Gefährdung gehört.
Quellen
- DGUV Regel 112-995: Benutzung von Schutzhandschuhen (abgerufen am 20.09.2026)
- PSA-Benutzungsverordnung (abgerufen am 20.09.2026)
- EN 388:2016+A1:2018 und ISO 13997 (Normtexte, kostenpflichtig über DIN Media) (Fassung 2018)