Arbeitshandschuhe: EN 388 richtig lesen

Inhalt dieses Artikels
  1. Arbeitshandschuhe EN 388: Der Code Stelle für Stelle
  2. Warum X kein schlechter Wert ist
  3. Was EN 388 nicht abdeckt
  4. Die richtige Größe entscheidet mit
  5. Beschichtung und Griff
  6. Vom Arbeitsplatz zum Code
  7. Woran du eine geprüfte Ware erkennst
  8. Wann Handschuhe gewechselt werden
  9. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Bei Arbeitshandschuhen EN 388 steht die Leistung als Code unter dem Hammer-Piktogramm: vier Ziffern für Abrieb, Schnitt, Weiterreißen und Durchstich, danach ein Buchstabe von A bis F für den Schnittschutz nach ISO 13997 und optional P für Stoßschutz. Ein X bedeutet nicht geprüft, nicht schlecht.

Auf jedem zweiten Handschuh steht eine Zahlenreihe wie 4X43D. Sie sieht aus wie eine Artikelnummer und ist in Wahrheit das Prüfergebnis. Wer sie lesen kann, erkennt in fünf Sekunden, ob der Handschuh zur Arbeit passt.

Arbeitshandschuhe EN 388: Der Code Stelle für Stelle

Aufbau der Kennzeichnung nach EN 388:2016+A1:2018
Stelle Eigenschaft Skala
1 Abriebfestigkeit 0 bis 4
2 Schnittfestigkeit (Coup-Test) 0 bis 5 oder X
3 Weiterreissfestigkeit 0 bis 4
4 Durchstichfestigkeit 0 bis 4
5 Schnittfestigkeit nach ISO 13997 A bis F
6 Stoßschutz (optional) P oder nichts

Beispiel 4X43D: Abrieb auf der höchsten Stufe, Coup-Test nicht aussagekräftig, gute Weiterreiss- und Durchstichwerte, Schnittschutz D. Kein P, also kein geprüfter Stoßschutz.

Warum X kein schlechter Wert ist

Der Coup-Test schneidet mit einer rotierenden Klinge. Stark schnitthemmende Materialien stumpfen diese Klinge ab, das Ergebnis wird unbrauchbar. In diesem Fall setzt der Prüfer ein X, und der Buchstabe aus dem ISO-13997-Test übernimmt.

Für die Auswahl heißt das: Bei Glas, Blech oder Messerarbeit zählt der Buchstabe, nicht die zweite Ziffer. F ist die höchste Stufe, A die niedrigste. Wer nur auf die Zahlenreihe schaut, hält einen sehr guten Handschuh mit 4X43F für schlechter als einen mittelmässigen mit 4143.

Was EN 388 nicht abdeckt

Die Norm bewertet nur mechanische Risiken. Für andere Gefährdungen gibt es eigene Normen, und ein Handschuh trägt oft mehrere Piktogramme nebeneinander.

Weitere Handschuhnormen und ihr Anwendungsbereich
Norm Schützt gegen Kennzeichnung
EN ISO 21420 Grundanforderungen für alle Handschuhe Größen, Unschädlichkeit, Herstellerinfo
EN ISO 374-1 Chemikalien Typ A, B oder C plus Buchstaben der Prüfchemikalien
EN 407 Hitze und Feuer sechs Leistungsstufen
EN 511 Kälte drei Leistungsstufen

Ohne die Grundnorm EN ISO 21420 geht gar nichts: Sie regelt Größen, Unschädlichkeit des Materials und die Pflicht zur Herstellerinformation. Wer also nur EN 388 auf dem Etikett sieht und sonst nichts, hat einen Handschuh für mechanische Risiken in der Hand, nicht mehr.

Die richtige Größe entscheidet mit

Handschuhgrößen laufen von etwa 6 bis 11 und richten sich nach dem Handumfang in Zentimetern, gemessen ohne Daumen auf Höhe der Knöchel. Ein Umfang von 23 Zentimetern entspricht ungefähr Größe 9.

Ein zu grosser Handschuh ist kein kleiner Mangel, sondern ein Risiko: Überstehendes Material kann an drehenden Teilen erfasst werden, und die Feinmotorik leidet so weit, dass man den Handschuh irgendwann auszieht. Deshalb verlangt die Verordnung ausdrücklich, dass PSA der Person angepasst ist. Mehr dazu im Ratgeber PSA: Pflicht, Kategorien und wer sie bezahlt.

Beschichtung und Griff

Neben dem Code entscheidet die Beschichtung über den Alltag. Nitril greift bei Öl und Fett, Latex bei nassen Arbeiten, Polyurethan bringt Feingefühl bei leichter Montage. Eine geschäumte Beschichtung nimmt Flüssigkeit auf und leitet sie weg, eine glatte hält die Hand trocken, rutscht aber im Nassen eher.

Wichtig für den Vergleich: Die Beschichtung wird nicht separat benotet, sie fliesst in die Werte ein. Zwei Handschuhe mit identischem Code können sich im Griff völlig unterschiedlich anfühlen.

Vom Arbeitsplatz zum Code

Der umgekehrte Weg ist im Alltag der nützlichere: Du beschreibst die Arbeit und suchst dann die Werte, die dazu passen.

Typische Arbeiten und die Werte, auf die es ankommt
Arbeit Hauptgefahr Worauf achten
Glas, Blech, Karosserie Schnitt Buchstabe ab D, Abrieb ab 3
Montage, Schrauben, Kleinteile Abrieb, Feingefühl Abrieb 3 bis 4, dünne PU-Beschichtung
Baustelle, Schalung, Steine Abrieb, Stoß Abrieb 4, Weiterreißen 3 bis 4, ggf. P
Öl und Fett in der Werkstatt Griffverlust Nitril-Schaumbeschichtung
Kälte im Aussenlager Auskühlung zusätzlich EN 511

Arbeitshandschuhe EN 388 sind damit kein Produkt, sondern eine Auswahl aus Werten. Zwei Paare mit demselben Code können sich stark unterscheiden, und genau deshalb lohnt sich der Blick auf Material und Beschichtung, sobald der Code stimmt.

Woran du eine geprüfte Ware erkennst

Auf dem Handschuh selbst stehen Marke, Modell, Größe, das CE-Zeichen und die Piktogramme mit den Werten. In der Verpackung liegt die Herstellerinformation, auf die ein Buch-Piktogramm verweist. Fehlt beides, ist es keine geprüfte Schutzausrüstung, auch wenn „Arbeitshandschuh“ draufsteht.

Bei Chemikalienschutz gehört zusätzlich die Liste der geprüften Stoffe dazu. Ohne sie lässt sich nicht beurteilen, ob der Handschuh für genau dein Mittel taugt.

Wann Handschuhe gewechselt werden

Es gibt keine gesetzliche Tragedauer. Entscheidend ist der Zustand: durchgescheuerte Kuppen, harte oder verklebte Beschichtung, Risse, eingezogene Öle. Bei Chemikalienschutz zählt zusätzlich die Durchbruchzeit aus dem Datenblatt, nicht das Aussehen.

Und eine Regel gilt immer: Handschuhe sind nicht überall sinnvoll. An drehenden Maschinen können sie erfasst werden. Dort ersetzt die richtige Maschineneinstellung den Handschuh, nicht umgekehrt. Für Kettensägen gelten ohnehin eigene Anforderungen, dazu passt der Ratgeber Schnittschutzhose: Klasse und Form.

Die Kurzfassung der Kennzeichnung steht im Glossar unter EN 388 Leistungsstufen, weitere Beiträge in der Kategorie PSA & Schnittschutz.

Eine Sache noch zur Aufbewahrung: Handschuhe gehören trocken und dunkel gelagert, nicht auf der Heizung und nicht im Sonnenlicht auf der Fensterbank. UV-Licht und Hitze machen Beschichtungen spröde, und ein spröder Handschuh verliert genau die Eigenschaften, für die du ihn gekauft hast.

Häufige Fragen

Was bedeutet 4X43D bei Arbeitshandschuhen?

Abrieb Stufe 4, Coup-Test nicht anwendbar, Weiterreißen 4, Durchstich 3 und Schnittschutz D nach ISO 13997.

Was bedeutet X bei EN 388?

Die Prüfung wurde nicht durchgeführt oder ist für das Material nicht anwendbar. Es ist keine Abwertung.

Welcher Buchstabe ist der beste Schnittschutz?

F ist die höchste Stufe nach ISO 13997, A die niedrigste.

Welche Handschuhgröße brauche ich?

Miss den Handumfang ohne Daumen. Etwa 23 Zentimeter entsprechen Größe 9.

Quellen