Schnittschutzhose: Klasse und Form richtig wählen

Inhalt dieses Artikels
  1. Schnittschutzhose Klasse: Die Zahl kommt von der Säge
  2. Die Form entscheidet über die Fläche
  3. Wie der Schutz funktioniert und warum er nur einmal wirkt
  4. EN 381-5 steht noch auf vielen Etiketten
  5. Woran du eine geprüfte Hose erkennst
  6. Passform, Pflege und Lebensdauer
  7. Was die Hose nicht abdeckt
  8. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Die Schnittschutzhose Klasse richtet sich nach der Kettengeschwindigkeit: Klasse 1 ist bis 20 m/s geprüft, Klasse 2 bis 24 m/s, Klasse 3 bis 28 m/s. Die Form beschreibt die geschützte Fläche: Form A schützt die Beinvorderseite, Form C rundum. Grundlage ist EN ISO 11393-2.

Vor dem Kauf einer Schnittschutzhose stehen zwei Angaben auf dem Etikett, die nichts miteinander zu tun haben: eine Klasse und eine Form. Die eine kommt von deiner Säge, die andere von deiner Arbeitsweise. Wer beide verwechselt, kauft am Bedarf vorbei.

Schnittschutzhose Klasse: Die Zahl kommt von der Säge

Die Klasse gibt an, bis zu welcher Kettengeschwindigkeit die Einlage im Prüfverfahren standgehalten hat. Diese Geschwindigkeit steht in der Betriebsanleitung deiner Motorsäge.

Klassen nach EN ISO 11393-2 und die zugehörige Kettengeschwindigkeit
Klasse Geprüft bis Typischer Einsatz
Klasse 1 20 m/s der Regelfall bei Brennholz und Pflege im Garten
Klasse 2 24 m/s leistungsstärkere Sägen, professioneller Einsatz
Klasse 3 28 m/s besondere Anforderungen, seltener im Handel

Eine höhere Klasse ist nicht automatisch besser. Mehr Schutzlagen bedeuten mehr Gewicht und weniger Luftdurchlass. Wer mit einer Säge bis 20 m/s arbeitet, ist mit Klasse 1 richtig ausgestattet und trägt sie im Sommer deutlich lieber.

Die Form entscheidet über die Fläche

Neben der Klasse steht eine Form. Sie sagt, wo im Bein Schutzmaterial eingearbeitet ist.

  • Form A schützt die Vorderseite der Beine mit definierten Zusatzflächen. Sie ist leichter und luftiger.
  • Form B erweitert den Bereich am linken Bein.
  • Form C schützt beide Beine rundum, auch die Rückseite.

Für Gelegenheitsnutzer wird häufig Form C empfohlen, weil unerwartete Kettenkontakte nicht nur die Vorderseite treffen. Wer beruflich und routiniert sägt, arbeitet oft mit Form A, weil sie weniger anstrengend zu tragen ist. Auch hier gilt: Was der Betrieb vorschreibt, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, nicht aus dem Katalog. Die Regeln dahinter stehen im Ratgeber PSA: Pflicht, Kategorien und wer sie bezahlt.

Wie der Schutz funktioniert und warum er nur einmal wirkt

In der Hose stecken mehrere Lagen langfaseriges Material. Trifft die Kette darauf, zieht sie die Fasern heraus, das Material wickelt sich um das Kettenrad und bringt die Säge zum Stehen. Das ist ein mechanischer Blockiervorgang, keine undurchdringliche Panzerung.

Daraus folgt die wichtigste Regel im Umgang: Nach einem Kettenkontakt ist die Hose an dieser Stelle verbraucht. Sie wird ausgesondert, nicht geflickt. Eine Naht über der beschädigten Einlage stellt den Schutz nicht wieder her, sie verdeckt ihn nur.

Zweite Folge: Die Einlage darf nicht verkleben. Öl, Harz und falsches Waschmittel machen die Fasern steif, dann ziehen sie sich nicht mehr wie geprüft heraus. Die Pflegeanleitung des Herstellers ist deshalb Teil der Schutzwirkung, nicht Beipackzettel.

EN 381-5 steht noch auf vielen Etiketten

Die frühere Norm für Beinschutz hiess EN 381-5. Sie hat ihre Konformitätsvermutung am 19. November 2021 verloren, Nachfolger ist EN ISO 11393-2. Neu zertifiziert wird nach der aktuellen Norm.

Vorhandene Hosen nach EN 381-5 werden dadurch nicht unbrauchbar. Sie dürfen weiter getragen werden, solange sie in Ordnung sind. Beim Neukauf gehört aber die aktuelle Norm aufs Etikett. Ein Unterschied der neuen Fassung: Die Anforderungen werden über den Größenbereich geprüft, nicht nur an einer Standardgröße.

Woran du eine geprüfte Hose erkennst

Schnittschutz gegen handgeführte Kettensägen gehört zur PSA-Kategorie III. Das bedeutet: Neben der Baumusterprüfung wird die Produktion überwacht. Auf dem Etikett stehen deshalb das CE-Zeichen mit vierstelliger Nummer, die Norm, Klasse und Form sowie ein Piktogramm mit Säge.

Manche Hosen tragen zusätzlich ein KWF-Prüfzeichen. Das ist eine freiwillige Prüfung aus der Forstwirtschaft, die über die Norm hinaus Tragekomfort und Praxistauglichkeit bewertet. Sie ersetzt die CE-Kennzeichnung nicht, sie ergänzt sie.

Passend dazu: Schutzgamaschen fallen unter EN ISO 11393-5 und sind dort mindestens in Klasse 1 zu zertifizieren. Sie ergänzen den Beinschutz, ersetzen ihn aber nicht.

Passform, Pflege und Lebensdauer

Eine Schnittschutzhose sitzt anders als eine normale Arbeitshose. Die Einlagen bauen auf, dadurch wirkt sie schwerer und wärmer. Achte auf ausreichende Beinlänge: Rutscht der Saum beim Knien hoch, liegt der geschützte Bereich nicht mehr dort, wo die Kette auftrifft. Latzhosen halten die Position besser, Bundhosen sind luftiger.

Beim Waschen gilt die Herstellerangabe, meist 40 oder 60 Grad ohne Weichspüler. Weichspüler und Imprägniersprays können die Fasern verkleben. Harz und Öl gehören ausgewaschen, bevor sie einziehen, und der Trockner ist bei den meisten Modellen tabu. Wie oft eine Hose gewaschen werden darf, bevor die Schutzwirkung nicht mehr garantiert ist, steht ebenfalls in der Herstellerinformation.

Für die Schnittschutzhose Klasse gilt dabei: Die Prüfung bezieht sich auf den Neuzustand. Eine verklebte oder verhärtete Einlage erfüllt sie nicht mehr, auch wenn das Etikett unverändert lesbar ist.

Aussortiert wird nicht nach Kalender, sondern nach Zustand: Kettenkontakt, Risse in der Aussenhülle, freiliegende Einlage, verhärtete Stellen. Wer die Hose täglich trägt, prüft sie vor dem Einsatz kurz mit der Hand, nicht nur mit dem Auge.

Was die Hose nicht abdeckt

Die Schnittschutzhose Klasse sagt nichts über den Rest der Ausrüstung. Der Schnittschutz endet am Bein. Für die Arbeit mit der Kettensäge gehören Helm mit Gesichts- und Gehörschutz, Schnittschutzhandschuhe und Sicherheitsschuhe mit Schnittschutz dazu. Eine normale Arbeitshose aus robustem Stoff ist ausdrücklich kein Ersatz, egal wie dick das Material wirkt.

Weitere Beiträge stehen in der Kategorie PSA & Schnittschutz, die Kurzdefinition der Klassen im Glossar unter Schnittschutzklasse.

Häufige Fragen

Welche Schnittschutzklasse brauche ich?

Mindestens die Klasse, die zur Kettengeschwindigkeit deiner Säge passt. Klasse 1 deckt bis 20 m/s ab und reicht für die meisten Sägen im privaten Einsatz.

Form A oder Form C?

Form A schützt die Beinvorderseite und ist leichter, Form C schützt rundum. Für Gelegenheitsnutzer wird häufig Form C empfohlen.

Kann man eine Schnittschutzhose reparieren?

Nach einem Kettenkontakt nicht. Die Schutzwirkung an dieser Stelle ist aufgebraucht, die Hose wird ausgesondert.

Ist eine Hose nach EN 381-5 noch erlaubt?

Vorhandene Hosen dürfen weiter getragen werden. Neuzertifizierungen erfolgen nach EN ISO 11393-2.

Quellen