Inhalt dieses Artikels
- Arbeitskleidung Sommer: was sie leisten muss
- UV ist der unterschätzte Teil
- Hitze: was Kleidung leisten kann und was nicht
- Woran du Hitzebelastung merkst
- Schutzkleidung bleibt Schutzkleidung
- Kurze Hosen: erlaubt oder nicht
- Schuhe und Arbeitskleidung Sommer
- Was der Betrieb regeln sollte
- Häufige Fragen
Kurz gesagt: Arbeitskleidung Sommer muss zwei Dinge gleichzeitig leisten: Wärme abführen und die Haut vor UV-Strahlung schützen. Kurze Hose und freier Oberkörper sind deshalb selten die Lösung. Wo Schutzkleidung vorgeschrieben ist, bleibt sie es auch bei dreißig Grad; entlastet wird über Organisation, nicht über Weglassen.
Im Hochsommer kippt die Disziplin: Ärmel hoch, Jacke aus, Warnweste über dem T-Shirt. Verständlich, aber genau dann fallen zwei Gefährdungen zusammen, die im Rest des Jahres kaum eine Rolle spielen: Hitzebelastung und UV-Strahlung.
Arbeitskleidung Sommer: was sie leisten muss
| Gefährdung | Wirksame Maßnahme | Rolle der Kleidung |
|---|---|---|
| UV-Strahlung | Schatten, Kleidung, Sonnenschutzmittel | hoch: deckt große Flächen dauerhaft ab |
| Hitzebelastung | Pausen, Getränke, Arbeitszeit verlagern | begrenzt: luftdurchlässig, aber keine Kühlung |
| Mechanische Gefährdung | unverändert Schutzkleidung | bleibt Pflicht, auch bei Hitze |
UV ist der unterschätzte Teil
Wer draußen arbeitet, sammelt über Jahre eine erhebliche UV-Dosis. Hautveränderungen und weißer Hautkrebs können daraus entstehen; bestimmte Formen sind als Berufskrankheit anerkannt. Sonnenschutz ist damit kein Sommerthema, sondern ein Arbeitsschutzthema.
Kleidung ist dabei der wirksamste Schutz, weil sie nicht nachgetragen werden muss wie Creme. Dicht gewebte Stoffe halten mehr ab als lockere, dunkle mehr als helle, trockene mehr als nasse. Viele Hersteller geben einen UV-Schutzfaktor an; er beschreibt, wie viel Strahlung das Gewebe zurückhält.
- Langarm statt kurz. Leichte, luftige Langarmshirts kühlen im Schatten des Stoffes besser als nackte Haut in der Sonne.
- Nacken abdecken. Kopfbedeckung mit Nackenschutz oder ein Helmüberzug, weil der Nacken besonders oft betroffen ist.
- Creme für den Rest. Gesicht, Ohren, Handrücken, dazu Lippenschutz.
- Schatten organisieren. Sonnensegel und Pausen im Schatten wirken stärker als jede Kleidung.
Hitze: was Kleidung leisten kann und was nicht
Der Körper kühlt über Verdunstung. Kleidung darf diesen Weg nicht blockieren, deshalb sind luftdurchlässige Gewebe und Belüftungsöffnungen im Sommer wichtiger als geringes Gewicht. Funktionsfasern transportieren Feuchtigkeit, Baumwolle speichert sie; beides hat Vorzüge, je nachdem wie stark geschwitzt wird.
Was Kleidung nicht leisten kann, ist die Senkung der Belastung. Dafür sind Pausen, Verschiebung der Arbeitszeit in die kühlen Stunden, Getränke und technische Maßnahmen zuständig. Bei hohen Temperaturen sieht der Arbeitsschutz gestufte Maßnahmen vor, und ab einem bestimmten Punkt ist Arbeiten ohne Zusatzmaßnahmen nicht mehr vorgesehen.
Woran du Hitzebelastung merkst
Die Warnzeichen sind unspezifisch und werden deshalb oft übergangen: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, nachlassende Konzentration, ungewöhnliche Müdigkeit. Wer sie bei sich oder bei Kolleginnen bemerkt, macht Pause im Schatten und trinkt, statt weiterzuarbeiten.
Vorbeugen lässt sich am einfachsten über die Trinkmenge: regelmäßig und in kleinen Mengen, bevor Durst entsteht. Zuckerhaltige Getränke und Kaffee sind kein Ersatz für Wasser, und Alkohol hat am heißen Arbeitstag nichts zu suchen.
Auch die Eingewöhnung spielt eine Rolle. Der Körper braucht mehrere Tage, um sich an Hitze anzupassen. Die ersten heißen Tage im Jahr sind deshalb die kritischsten, nicht der Hochsommer.
Schutzkleidung bleibt Schutzkleidung
Der kritische Punkt im Sommer: Wo eine Gefährdung besteht, entfällt sie nicht bei Hitze. Warnschutz muss weiterhin die geforderte Klasse erfüllen, Schnittschutz weiterhin sitzen, und die Zehenkappe schützt nicht in Sandalen.
Entlastung schafft man anders: Warnschutz-T-Shirts und -Polos statt Jacke, sofern die Klasse erreicht wird, leichtere Gewebe in derselben Norm, Belüftungsöffnungen, und mehr Garnituren im Wechsel. Welche Flächen für welche Klasse nötig sind, steht im Ratgeber Warnschutzkleidung: Klassen 1, 2 und 3, der Alltag dazu in der Berufsseite PSA im Straßen- und Tiefbau.
Kurze Hosen: erlaubt oder nicht
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Wo keine Gefährdung für die Beine besteht, spricht arbeitsschutzrechtlich nichts gegen eine kurze Hose; der Betrieb kann sie trotzdem über Kleiderordnung oder Betriebsvereinbarung ausschließen.
Wo Knieschutz, Schnittschutz, Hitzeschutz oder Warnschutz an den Beinen gefordert ist, scheidet sie aus. Und selbst ohne Vorschrift gilt: Knie und Schienbeine sind die Stellen, an denen Verletzungen im Handwerk am häufigsten auftreten. Die Systematik zur Pflicht steht im Ratgeber PSA: Pflicht, Kategorien und wer sie bezahlt.
Schuhe und Arbeitskleidung Sommer
Atmungsaktive Modelle mit Textilobermaterial sind angenehmer als geschlossenes Leder, dafür weniger robust und selten wasserdicht. Für trockene Innenbereiche eine gute Wahl, für die Baustelle im Wechsel mit einem zweiten Paar.
Zwei Paare im Wechsel sind ohnehin die beste Maßnahme: Sie geben jedem Paar Zeit zum Trocknen, und trockene Schuhe sind der wirksamste Schutz gegen Blasen und Fußpilz. Sandalen mit Kappe gibt es zwar, sie sind aber an vielen Arbeitsplätzen unzulässig, weil der Fuß seitlich offen liegt.
Was der Betrieb regeln sollte
Trinkwasser bereitstellen, Pausen in den Schatten legen, Arbeiten mit hoher körperlicher Belastung in die Morgenstunden verschieben, Sonnensegel und mobile Beschattung vorsehen, und Sonnenschutzmittel zur Verfügung stellen, wo im Freien gearbeitet wird.
Dazu gehört auch, ausreichend Wechselkleidung zu ermöglichen. Wer eine Garnitur hat, trägt sie feucht weiter. Die passende Jacke für die kühlere Jahreszeit behandelt der Ratgeber Arbeitsjacke: Wetterschutz nach Norm verstehen, weitere Beiträge sammelt die Kategorie Arbeitsjacken.
Unterm Strich ist Arbeitskleidung Sommer ein Kompromiss zwischen Verdunstung und Abdeckung. Wer ihn bewusst zieht, arbeitet in leichten, langärmeligen Sachen mit Belüftung und nimmt Schatten und Pausen ernst, statt die Schutzkleidung zur Disposition zu stellen.
Häufige Fragen
Darf ich im Sommer eine kurze Arbeitshose tragen?
Wenn keine Gefährdung für die Beine besteht und der Betrieb es zulässt, ja. Bei Knie-, Schnitt-, Hitze- oder Warnschutz an den Beinen nicht.
Schützt Kleidung besser als Sonnencreme?
In der Regel ja, weil sie nicht nachgetragen werden muss. Für unbedeckte Stellen bleibt Creme nötig.
Muss Warnschutz auch bei Hitze getragen werden?
Ja. Entlastung schafft man über leichtere Gewebe und Belüftung, nicht über Weglassen.
Was muss der Betrieb bei Hitze tun?
Getränke, Pausen, Verlagerung der Arbeitszeit und Beschattung gehören zu den üblichen Maßnahmen; die Details richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung.
Quellen
- Arbeitsschutzgesetz, § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen (abgerufen am 20.09.2026)
- PSA-Benutzungsverordnung (abgerufen am 20.09.2026)
- Arbeitsstättenverordnung (abgerufen am 20.09.2026)