Inhalt dieses Artikels
- Arbeitsjacke Wetterschutz: die zwei Klassen auf dem Etikett
- Die Norm hat 2025 den Namen gewechselt
- Kälte ist eine andere Norm
- Softshell ist keine Schutzklasse
- Arbeitsjacke Wetterschutz im Schichtsystem
- Details, die im Alltag entscheiden
- Warum Klasse 4 nicht immer die richtige Wahl ist
- Kombination mit Warnschutz
- Pflege entscheidet über die Lebensdauer
- Häufige Fragen
Kurz gesagt: Beim Arbeitsjacke Wetterschutz zählen zwei Zahlen: die Klasse für Wasserdichtheit und die Klasse für Atmungsaktivität, beide von 1 bis 4. Grundlage war EN 343, die 2025 durch EN ISO 24232 abgelöst wurde. Für Kälte gelten eigene Normen: EN 342 unter minus fünf Grad, EN 14058 darüber.
Auf dem Etikett einer Regenjacke stehen zwei Ziffern und manchmal ein Buchstabe. Sie sagen mehr über den Arbeitstag aus als jede Produktbeschreibung, weil sie beschreiben, wie lange du trocken bleibst und wie schnell du von innen nass wirst.
Arbeitsjacke Wetterschutz: die zwei Klassen auf dem Etikett
| Angabe | Bedeutung | Skala |
|---|---|---|
| Erste Ziffer | Wasserdurchgangswiderstand, also Wasserdichtheit | 1 bis 4, 4 ist am dichtesten |
| Zweite Ziffer | Wasserdampfdurchgangswiderstand (Ret), also Atmungsaktivität | 1 bis 4, 4 ist am atmungsaktivsten |
| R oder X | Regenturmtest am fertigen Kleidungsstück | R geprüft, X nicht geprüft |
Wichtig ist die Richtung der Skalen. Beim Ret-Wert gilt: je niedriger der Messwert, desto besser die Atmungsaktivität, und desto höher die Klasse. Klasse 4 entspricht einem Ret von höchstens 15, Klasse 1 liegt über 40. Genau dieser Wert entscheidet darüber, ob du nach zwei Stunden Arbeit von innen durchnässt bist.
Die Klassen 1 bis 4 gibt es erst seit der Überarbeitung von 2019. Ältere Kleidung trägt nur Klassen bis 3, und der Regenturmtest fehlt dort ganz.
Die Norm hat 2025 den Namen gewechselt
EN 343 wurde durch EN ISO 24232 ersetzt; die deutsche Fassung DIN EN ISO 24232 löst DIN EN 343:2019-06 ab. Anforderungen und Klassifizierung bleiben nach Herstellerangaben unverändert, neu sind Mindestanforderungen an Reiß- und Weiterreißfestigkeit des Obermaterials.
Ein Punkt sorgt derzeit für Verwirrung: Ein Hersteller weist darauf hin, dass im EU-Amtsblatt weiterhin EN 343:2019 als harmonisierte Norm gelistet ist, während EN ISO 24232 dort bislang fehlt. Für dich heißt das praktisch: Beide Kennzeichnungen sind im Handel unterwegs, vorhandene Kleidung bleibt gültig, und bei Neukauf lohnt der Blick ins Etikett und in die Herstellerinformation. Die Normseite dazu steht unter EN 343.
Kälte ist eine andere Norm
| Norm | Bereich | Besonderheit |
|---|---|---|
| EN ISO 24232 (früher EN 343) | Regen, Schnee, Nebel, Bodenfeuchte | zwei Klassen plus optionaler Regenturmtest |
| EN 342 | Kälte unter minus fünf Grad | gilt für die Kombination, meist Jacke plus Hose |
| EN 14058 | kühle Umgebungen ab minus fünf Grad | gilt für einzelne Kleidungsstücke |
Der Unterschied zwischen EN 342 und EN 14058 wird oft übersehen. EN 342 bewertet ein Ensemble, also das Zusammenspiel mehrerer Teile, EN 14058 dagegen das einzelne Stück. Eine Jacke allein kann deshalb kaum EN 342 erfüllen, sondern wird als Teil einer geprüften Kombination ausgewiesen.
Softshell ist keine Schutzklasse
Softshell beschreibt einen Aufbau, keine Prüfung. Viele Softshelljacken sind wasserabweisend, aber nicht wasserdicht im Sinne der Norm, und tragen deshalb keine Klassen. Für den Weg vom Fahrzeug zur Halle reicht das, für einen Arbeitstag im Dauerregen nicht.
Dasselbe gilt für Angaben wie „wasserabweisend“ oder „winddicht“ ohne Normbezug. Sie sind Werbetext, keine Klassifizierung. Sobald auf dem Etikett eine Norm mit Ziffern steht, hast du eine geprüfte Eigenschaft in der Hand.
Arbeitsjacke Wetterschutz im Schichtsystem
Eine einzelne Jacke löst selten alle Wetterlagen. In der Praxis funktioniert das Schichtsystem aus drei Lagen besser als die eine dicke Jacke: eine Basisschicht, die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportiert, eine wärmende Zwischenschicht und außen die Wetterschutzschicht.
Der Vorteil ist die Regelbarkeit. Wer im Winter Gräben aushebt, schwitzt in der Bewegung und friert in der Pause. Mit drei Lagen nimmst du die mittlere heraus, statt die Jacke ganz auszuziehen. Viele Hersteller bieten deshalb Jacken mit herausnehmbarem Innenfutter an, das sich separat tragen lässt.
Für den Wetterschutz zählt trotzdem nur die äußerste Lage. Die Klassen auf dem Etikett gelten für dieses Kleidungsstück, nicht für die Kombination. Wer eine Zwischenjacke über die Regenjacke zieht, hat den Schutz aufgehoben.
Details, die im Alltag entscheiden
Kapuze. Sie sollte sich in der Weite verstellen lassen und mit dem Kopf mitdrehen. Eine Kapuze, die die Sicht nimmt, wird abgenommen, und dann läuft Wasser in den Kragen.
Ärmelabschluss. Klett oder Bündchen halten Wasser draußen, wenn du über Kopf arbeitest. Ohne Abschluss läuft das Wasser den Arm hinunter.
Reißverschlüsse. Wasserdichte Reißverschlüsse sind steifer und halten dichter, abgedeckte Leisten sind flexibler und trocknen langsamer. Beides hat Berechtigung, je nach Arbeit.
Taschen. Brusttaschen bleiben auch beim Sitzen im Fahrzeug erreichbar, seitliche Einschubtaschen nicht. Wer viel fährt, merkt den Unterschied täglich.
Warum Klasse 4 nicht immer die richtige Wahl ist
Eine sehr dichte Jacke mit niedriger Atmungsaktivität hält Regen ab und staut Schweiß. Bei körperlicher Arbeit ist das Ergebnis dasselbe wie ohne Jacke: Du bist nass, nur von innen. Die Norm nennt deshalb empfohlene Tragezeiten in Abhängigkeit von Atmungsaktivität und Umgebungstemperatur.
Wer schwer arbeitet, fährt mit Klasse 3 oder 4 bei der Atmungsaktivität und Belüftungsöffnungen unter den Armen oft besser als mit der dichtesten Jacke im Sortiment. Wer überwiegend steht, etwa bei der Verkehrssicherung, gewichtet Wasserdichtheit und Kälteschutz höher.
Kombination mit Warnschutz
Im Straßenbau, in der Logistik und im Winterdienst muss eine Jacke oft zwei Dinge gleichzeitig können. Dann stehen mehrere Normen nebeneinander auf dem Etikett, etwa Wetterschutz und Warnschutz nach EN ISO 20471.
Wichtig ist, dass die äußerste Lage den Warnschutz erfüllt. Eine Regenjacke ohne Warnschutz über der Warnjacke hebt deren Wirkung auf. Welche Klasse wann nötig ist, steht im Ratgeber Warnschutzkleidung: Klassen 1, 2 und 3 und in der Berufsseite PSA im Straßen- und Tiefbau.
Pflege entscheidet über die Lebensdauer
Membranjacken verlieren ihre Wirkung weniger durch Verschleiß als durch Pflegefehler. Weichspüler setzt die Membran zu, zu heißes Waschen schädigt die Beschichtung, und eine verschmutzte Außenseite saugt Wasser auf, auch wenn die Membran noch dicht ist.
Ein verbreiteter Irrtum ist, Membranjacken gar nicht zu waschen, um sie zu schonen. Das Gegenteil stimmt: Schmutz und Körperfett setzen die Poren zu, und die Jacke wird von innen klamm. Regelmäßiges Waschen nach Anleitung erhält die Funktion länger als Schonen.
Die Imprägnierung lässt mit der Zeit nach und wird nachbehandelt, häufig mit Wärme im Trockner, sofern die Pflegeanleitung das vorsieht. Wie du dabei vorgehst, steht im Ratgeber Arbeitskleidung waschen. Weitere Beiträge sammelt die Kategorie Arbeitsjacken.
Für die Beschaffung hat sich eine einfache Reihenfolge bewährt: erst klären, ob Warnschutz oder eine andere Schutznorm gefordert ist, dann die Wetterlage bestimmen, und erst danach über Marke und Preis reden. Eine Arbeitsjacke Wetterschutz ohne die geforderte Zusatznorm ist im Zweifel unbrauchbar, auch wenn sie technisch gut ist.
Und ein Hinweis zur Größe: Wetterschutzjacken werden über mehreren Lagen getragen. Wer sie auf den Pullover anprobiert, kauft im Winter zu eng. Probiere sie mit der Kleidung an, die du tatsächlich darunter trägst, und hebe dabei einmal beide Arme über den Kopf.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Ziffern auf der Regenjacke?
Die erste steht für die Wasserdichtheit, die zweite für die Atmungsaktivität, jeweils in vier Klassen. Ein R zeigt, dass das fertige Kleidungsstück im Regenturm geprüft wurde.
Gilt EN 343 noch?
Vorhandene Kleidung mit dieser Kennzeichnung bleibt gültig. Auf Normungsebene wurde EN 343 durch EN ISO 24232 abgelöst, die Anforderungen bleiben nach Herstellerangaben gleich.
Was ist der Unterschied zwischen EN 342 und EN 14058?
EN 342 bewertet Kälteschutz unter minus fünf Grad für die Kombination aus mehreren Teilen, EN 14058 kühle Umgebungen darüber für einzelne Kleidungsstücke.
Ist Softshell wasserdicht?
Meist nicht im Sinne der Norm. Ohne Klassenangabe auf dem Etikett ist es eine Materialbeschreibung, keine geprüfte Eigenschaft.
Quellen
- DIN Media: DIN EN ISO 24232, ersetzt DIN EN 343:2019-06 (abgerufen am 19.09.2026)
- Herstellerinformation Kübler zu EN 343 und zur Ablösung durch EN ISO 24232 (abgerufen am 19.09.2026, mit Hinweis auf die Listung im EU-Amtsblatt)
- EN 343:2019, EN ISO 24232, EN 342 und EN 14058 (Normtexte, kostenpflichtig über DIN Media) (Fassungen 2019 bis 2025)