Schweißerhandschuhe: Typ A und Typ B nach EN 12477

Inhalt dieses Artikels
  1. Schweißerhandschuhe: Typ A und Typ B
  2. Warum ein Handschuh für alles nicht funktioniert
  3. Material und Aufbau
  4. Was die Prüfungen konkret bedeuten
  5. Handschuhe im Wechsel
  6. Abgrenzung zu anderen Handschuhen
  7. Passform und Handhabung
  8. Wann Schluss ist
  9. Häufige Fehler
  10. Wer stellt sie
  11. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Schweißerhandschuhe werden nach EN 12477 in zwei Typen eingeteilt: Typ A bietet mehr Schutz gegen Hitze und Spritzer bei geringerer Fingerfertigkeit, Typ B mehr Fingerfertigkeit bei geringerem Schutz. Typ A gehört zum MAG- und Elektrodenschweißen, Typ B zum feinen WIG-Schweißen.

Beim Schweißen sind die Hände am nächsten an der Wärmequelle. Spritzer, Strahlungswärme und heiße Werkstücke treffen sie direkt, und trotzdem müssen sie den Brenner präzise führen. Diesen Zielkonflikt löst die Norm mit zwei Typen.

Schweißerhandschuhe: Typ A und Typ B

Die beiden Typen nach EN 12477
Typ Schwerpunkt Typische Verfahren
Typ A höhere Schutzleistung gegen Hitze und Spritzer, geringere Fingerfertigkeit MAG, MIG mit hohem Spritzeraufkommen, Elektrodenschweißen, Brennschneiden
Typ B höhere Fingerfertigkeit, geringere Schutzleistung WIG-Schweißen, Hartlöten, feine Arbeiten

Die Einteilung beruht auf mehreren Prüfungen: Verhalten beim Beflammen, Kontaktwärme, konvektive Wärme, kleine Spritzer flüssigen Metalls und Fingerfertigkeit. Typ A muss bei den Wärmeprüfungen mehr leisten, Typ B bei der Fingerfertigkeit.

Warum ein Handschuh für alles nicht funktioniert

Ein dicker Typ-A-Handschuh schützt beim MAG-Schweißen zuverlässig, macht beim WIG-Schweißen aber die Führung des Zusatzstabes schwer. Wer ihn dort trotzdem trägt, zieht ihn nach ein paar Minuten aus, und dann schützt er gar nicht.

Umgekehrt hält ein feiner Typ-B-Handschuh die Wärme beim Elektrodenschweißen nicht lange genug ab. Die Hand wird heiß, der Handschuh verhärtet, und die nächsten Spritzer gehen durch. Wer mehrere Verfahren nutzt, hält deshalb beide Typen bereit.

Material und Aufbau

  • Rindspaltleder ist robust und hitzebeständig, typisch für Typ A.
  • Ziegen- oder Nappaleder ist dünner und geschmeidiger, typisch für Typ B.
  • Futter erhöht den Wärmeschutz, kostet aber Gefühl in den Fingern.
  • Stulpe schützt den Unterarm und sollte über den Ärmel der Schweißerjacke reichen.
  • Nähte aus hitzebeständigem Faden halten länger als normale Nähgarne.

Die Stulpe ist wichtiger, als sie aussieht. Spritzer, die in den Ärmel fallen, landen direkt auf der Haut. Deshalb gehört sie über den Ärmel, nicht darunter; die zugehörige Kleidung beschreibt der Ratgeber Schweißerkleidung: EN ISO 11611 und ihre Klassen.

Was die Prüfungen konkret bedeuten

Brennverhalten: Das Material wird kurz beflammt und darf danach nicht weiterbrennen oder nachglühen. Das ist die Grundanforderung für beide Typen.

Kontaktwärme: Wie lange es dauert, bis beim Anfassen einer heißen Fläche innen eine bestimmte Temperatur erreicht wird. Hier liegt einer der größten Unterschiede zwischen A und B.

Konvektive Wärme: Schutz gegen heiße Luft und Flammen in der Nähe, etwa beim Brennschneiden.

Kleine Metallspritzer: Wie viele Tropfen flüssigen Metalls das Material aushält, bevor innen eine festgelegte Temperaturerhöhung erreicht ist.

Fingerfertigkeit: Mit welcher Stiftgröße sich im Handschuh noch arbeiten lässt. Hier muss Typ B besser abschneiden als Typ A.

Handschuhe im Wechsel

Wer den ganzen Tag schweißt, kommt mit einem Paar nicht aus. Leder, das durch Schweiß feucht geworden ist, verliert Isolierwirkung und verhärtet beim Trocknen schneller. Zwei Paare im Wechsel verlängern die Lebensdauer beider und halten die Hände trockener.

Abgrenzung zu anderen Handschuhen

Schweißerhandschuhe sind kein Hitzeschutz für alle Fälle. Für das Anfassen sehr heißer Teile, etwa in der Gießerei, gelten eigene Anforderungen an Kontaktwärme; die Kennbuchstaben dazu erklärt der Ratgeber Hitzeschutzkleidung: EN ISO 11612 und ihre Buchstaben.

Ebenso wenig sind sie Schnittschutz. Beim Handhaben scharfkantiger Bleche vor und nach dem Schweißen ist ein Handschuh mit passender Schnittfestigkeit die bessere Wahl; die Stufen stehen im Ratgeber Schnittschutzhandschuhe: Stufen A bis F verstehen.

Passform und Handhabung

Schweißerhandschuhe sollen gut sitzen, ohne zu drücken. Zu große Handschuhe erschweren die Führung, zu kleine spannen das Leder über den Knöcheln, wo es schneller durchbrennt. Wie man die Größe bestimmt, steht im Ratgeber Arbeitshandschuhe Größe; bei gefütterten Modellen lieber eine halbe Größe mehr.

Handschuhe sollten sich im Notfall schnell abstreifen lassen, falls doch einmal etwas hineinfällt. Deshalb sind eng anliegende Bündchen ohne Klett oft praktischer als Modelle mit Verschluss.

Wann Schluss ist

Leder altert unter Hitze. Es wird hart, rissig und verliert seine isolierende Wirkung. Ausgesondert wird bei Löchern, verbrannten Stellen, aufgegangenen Nähten und dann, wenn das Leder so hart ist, dass es beim Greifen bricht.

Nasse Schweißerhandschuhe sind ein eigenes Risiko: Feuchtigkeit leitet Wärme und bei Elektrodenschweißen unter ungünstigen Umständen auch Strom. Deshalb werden sie nicht nass getragen, sondern getauscht, und nach der Schicht zum Trocknen offen hingelegt, nicht auf die Heizung.

Häufige Fehler

Der häufigste Fehler ist der Handschuh mit Loch, der weiter getragen wird, weil er sich eingetragen anfühlt. Genau dort landet der nächste Spritzer. Der zweite ist der Schweißerhandschuh beim Schleifen an der rotierenden Scheibe: Die weite Stulpe kann erfasst werden, und dafür ist er nicht gedacht.

Wer stellt sie

Schweißerhandschuhe sind persönliche Schutzausrüstung. Ist sie nach der Gefährdungsbeurteilung erforderlich, stellt der Betrieb sie und trägt die Kosten, auch den Ersatz verschlissener Paare. Den Arbeitsplatz insgesamt beschreibt die Berufsseite PSA in Metallbau und Schweißen. Weitere Beiträge sammelt die Kategorie PSA & Schnittschutz.

Unterm Strich lassen sich Schweißerhandschuhe einfach auswählen, wenn man vom Verfahren ausgeht: grobe Verfahren mit viel Spritzern verlangen Typ A, feine Verfahren mit Präzision Typ B. Wer beides macht, braucht beide.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Typ A und Typ B?

Typ A schützt stärker gegen Hitze und Spritzer, Typ B bietet mehr Fingerfertigkeit bei geringerem Schutz.

Welche Handschuhe brauche ich zum WIG-Schweißen?

In der Regel Typ B, weil die feine Führung von Brenner und Zusatzstab Fingerfertigkeit verlangt.

Schützen Schweißerhandschuhe vor Schnitten?

Nur eingeschränkt. Für scharfkantige Bleche sind Schnittschutzhandschuhe die bessere Wahl.

Wann müssen sie ersetzt werden?

Bei Löchern, verbrannten Stellen, aufgegangenen Nähten oder wenn das Leder hart und rissig ist.

Quellen