Schutzbrille: EN 166 und ihre Kennzeichnung

Inhalt dieses Artikels
  1. Schutzbrille EN 166: Scheibe und Rahmen getrennt lesen
  2. Der Rahmen sagt, wogegen sie schützt
  3. Filter haben eigene Nummern
  4. Welche Brille zu welcher Arbeit passt
  5. Visier, Brille oder beides
  6. Warum Brillen abgesetzt werden
  7. Sehhilfe und Schutzbrille zusammen
  8. Wann die Brille ersetzt wird
  9. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Bei einer Schutzbrille EN 166 stehen zwei Kennzeichnungen auf zwei Bauteilen: die Scheibe trägt optische Klasse und Festigkeit, der Rahmen den Anwendungsbereich. F hält Teilchen mit 45 Metern pro Sekunde stand, B mit 120, A mit 190. Nur wenn beide Teile denselben Buchstaben tragen, gilt er für die ganze Brille.

Augenverletzungen entstehen fast immer in Sekundenbruchteilen und fast immer bei Arbeiten, die als harmlos gelten: Bohren über Kopf, Abschlagen von Fliesen, Umfüllen von Reinigern. Die Brille dafür kostet wenig. Die Kennzeichnung darauf versteht kaum jemand.

Schutzbrille EN 166: Scheibe und Rahmen getrennt lesen

Typische Kennzeichnungen und ihre Bedeutung
Zeichen Bedeutung Steht auf
1 optische Klasse 1, für dauerndes Tragen geeignet Scheibe
S erhöhte Festigkeit Scheibe
F Stoß mit niedriger Energie, 45 m/s Scheibe und Rahmen
B Stoß mit mittlerer Energie, 120 m/s Scheibe und Rahmen
A Stoß mit hoher Energie, 190 m/s Scheibe und Rahmen
K beständig gegen Beschädigung durch feine Teilchen Scheibe
N beschlagfrei geprüft Scheibe

Die Buchstaben F, B und A stehen auf beiden Bauteilen, wenn die komplette Brille geprüft ist. Trägt nur die Scheibe ein B und der Rahmen nichts, ist die Kombination nicht für diese Energie ausgewiesen. Ergänzt wird das bei Bedarf um T, etwa FT oder BT, für Prüfungen bei extremen Temperaturen.

Der Rahmen sagt, wogegen sie schützt

Am Rahmen steht zusätzlich der Anwendungsbereich als Ziffer. Gebräuchlich sind 3 für Flüssigkeiten, 4 für Grobstaub, 5 für Gas und Feinstaub sowie 8 für Störlichtbogen und 9 für Metallspritzer und heiße Festkörper.

Daraus folgt eine Regel, die im Alltag oft verletzt wird: Eine Bügelbrille schützt nicht gegen Flüssigkeiten. Wer mit Reinigern, Säuren oder Lacken hantiert, braucht eine Korbbrille, die seitlich und von oben dicht abschließt. Was das im Malerhandwerk bedeutet, steht in der Berufsseite PSA für Maler und Lackierer.

Filter haben eigene Nummern

Bei getönten Scheiben steht vor der Schutzstufe eine Kennziffer: 2 oder 2C für UV-Schutz, 4 für Infrarot, 5 und 6 für Sonnenschutz, dazu die Schutzstufe nach dem Bindestrich. Für Schweißarbeiten gelten eigene Schutzstufen ohne vorangestellte Ziffer.

Praktisch wichtig ist der Unterschied zwischen 2 und 2C: Beide filtern UV, aber 2C erhält die Farberkennung besser. Wer Signalfarben oder farbige Leitungen unterscheiden muss, achtet darauf.

Welche Brille zu welcher Arbeit passt

Typische Tätigkeiten und die passende Bauform
Tätigkeit Bauform Worauf achten
Bohren, Sägen, Schrauben Bügelbrille Kennzeichnung F, Seitenschutz
Winkelschleifen, Trennen Korbbrille oder Visier B, dazu Gehörschutz
Umgang mit Reinigern und Säuren Korbbrille Rahmen mit Anwendungsbereich 3
Staubige Abbrucharbeiten Korbbrille Anwendungsbereich 4, Scheibe mit K
Arbeiten im Freien getönte Bügelbrille UV-Filter 2C, Farberkennung

Beim Trennschleifen zeigt sich der Unterschied am deutlichsten: Die Funken selbst sind nicht das Problem, der abplatzende Scheibensplitter ist es. Deshalb reicht dort eine einfache Bügelbrille nicht, und ein Visier über der Brille ist die übliche Kombination.

Visier, Brille oder beides

Ein Gesichtsschild schützt eine größere Fläche, dichtet aber nicht ab. Feiner Staub und Spritzer gelangen dahinter, weshalb Visier und Brille oft zusammen getragen werden. Umgekehrt ersetzt eine Brille kein Visier, wenn Gesicht und Hals gefährdet sind, etwa bei Arbeiten mit heißen Medien.

Für Helmträger gibt es Visiere zum Anclipsen. Achte darauf, dass Helm, Visier und Gehörschutz als System freigegeben sind: Selbst zusammengestellte Kombinationen sitzen oft schlecht und heben Schutzwirkungen gegenseitig auf.

Warum Brillen abgesetzt werden

Die häufigsten Gründe sind Beschlag, Kratzer und Druckstellen. Alle drei führen dazu, dass die Brille in der Tasche landet, und genau dann passiert der Unfall.

  • Beschlag. Eine Scheibe mit N-Kennzeichnung ist geprüft beschlagfrei. Belüftete Korbbrillen helfen zusätzlich, bei Kälte hilft ein Antibeschlagtuch mehr als jedes Hausmittel.
  • Kratzer. Das K-Zeichen steht für Beständigkeit gegen feine Teilchen. Die Brille gehört trotzdem nicht lose in die Hosentasche, sondern in ein Etui.
  • Druckstellen. Verstellbare Bügel in Länge und Neigung lösen das meist. Wer eine Sehhilfe trägt, kommt mit einer Überbrille oder einer Korrektionsschutzbrille weiter.

Sehhilfe und Schutzbrille zusammen

Eine normale Korrektionsbrille ist keine Schutzbrille, auch nicht mit Kunststoffgläsern. Es gibt drei saubere Wege: eine Überbrille über der eigenen Brille, eine Korrektionsschutzbrille mit geprüften Gläsern, oder Kontaktlinsen plus Standardschutzbrille, sofern der Arbeitsplatz das zulässt.

Bei Bildschirmarbeit und Werkstatt im Wechsel lohnt die Korrektionsschutzbrille, weil sie dauerhaft getragen wird. Wer sie braucht und wer sie bezahlt, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung; die Systematik steht im Ratgeber PSA: Pflicht, Kategorien und wer sie bezahlt.

Wann die Brille ersetzt wird

Nach jedem harten Treffer, bei sichtbaren Rissen, bei starker Zerkratzung und wenn die Beschichtung sich löst. Anders als bei Schuhen oder Handschuhen gibt es hier keine Verschleißgrenze, die man hinauszögern sollte: Eine zerkratzte Scheibe streut Licht, blendet und wird deshalb abgesetzt.

Gereinigt wird mit Wasser und mildem Mittel oder mit dafür vorgesehenen Tüchern. Lösemittel greifen Beschichtungen an, und ein trockenes Abwischen bei Staub erzeugt genau die Kratzer, die man vermeiden will. Weitere Beiträge sammelt die Kategorie PSA & Schnittschutz, zum Kopfbereich passt auch der Ratgeber Gehörschutz: SNR, H, M und L.

Und ein Satz zur Beschaffung: Eine Schutzbrille EN 166 kostet wenige Euro, eine Augenverletzung kostet ein Auge. Wo täglich gearbeitet wird, gehört deshalb eine Reserve in die Werkstatt, damit eine zerkratzte Brille sofort ersetzt werden kann statt am Monatsende.

Häufige Fragen

Was bedeuten F, B und A auf der Schutzbrille?

Die geprüfte Stoßenergie: F entspricht 45 Metern pro Sekunde, B 120 und A 190. Der Buchstabe muss auf Scheibe und Rahmen stehen, damit er für die ganze Brille gilt.

Was heißt die 1 auf der Scheibe?

Optische Klasse 1, also für dauerndes Tragen geeignet. Klassen 2 und 3 sind für kürzere Tragezeiten gedacht.

Reicht eine Bügelbrille bei Chemikalien?

Nein. Gegen Flüssigkeiten braucht es eine Korbbrille mit entsprechender Kennzeichnung am Rahmen.

Ist meine normale Brille eine Schutzbrille?

Nein, auch nicht mit Kunststoffgläsern. Nötig sind Überbrille, Korrektionsschutzbrille oder Kontaktlinsen mit Schutzbrille.

Quellen