Sicherheitsschuhe metallfrei: Kennzeichnung erkennen

Inhalt dieses Artikels
  1. Sicherheitsschuhe metallfrei: die Kennzeichnung lesen
  2. Die zwei Bauteile im Vergleich
  3. Was metallfreie Schuhe wirklich besser können
  4. Wo Metall weiterhin sinnvoll ist
  5. Der Mythos vom „durchtrittsicheren" Schuh
  6. Warum die Buchstaben erst seit 2022 auftauchen
  7. Metallfrei und ESD sind zwei Paar Schuhe
  8. Worauf du beim Kauf achtest
  9. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Sicherheitsschuhe metallfrei erkennst du an den Buchstaben hinter der Klasse: S1PL, S3L oder S7L stehen für nichtmetallischen Durchtrittschutz mit dem 4,5-mm-Nagel, S1PS, S3S und S7S für den 3,0-mm-Nagel. Ohne Buchstabe ist die Einlage metallisch. Die Zehenkappe besteht dann meist aus Kunststoff oder Verbundwerkstoff.

„Metallfrei“ steht auf vielen Produktseiten, aber selten dabei, was genau gemeint ist. Ein Schuh hat zwei Stellen, an denen Metall sitzen kann: in der Zehenkappe und in der Durchtrittschutz-Einlage. Erst wenn beide aus anderem Material sind, ist der Schuh wirklich metallfrei.

Sicherheitsschuhe metallfrei: die Kennzeichnung lesen

Buchstaben hinter der Klasse nach EN ISO 20345:2022
Kennzeichnung Durchtrittschutz Prüfnagel
S1P, S3, S7 metallisch 4,5 mm
S1PL, S3L, S7L nichtmetallisch 4,5 mm
S1PS, S3S, S7S nichtmetallisch 3,0 mm

Der kleinere Nagel ist die härtere Prüfung: Er trifft auf eine kleinere Fläche und braucht deshalb weniger Kraft, um einzudringen. Deshalb deckt eine Einlage mit S-Kennzeichnung feinere Gegenstände ab als eine mit L. Die Übersicht aller Klassen steht im Ratgeber Schutzklassen bei Sicherheitsschuhen, die Kurzdefinition im Glossar unter Durchtrittschutz.

Die zwei Bauteile im Vergleich

Zehenkappe. Sie muss 200 Joule aushalten, egal aus welchem Material. Stahl ist dünner bei gleicher Festigkeit, Kunststoff und Verbundwerkstoffe bauen etwas höher auf, leiten aber Kälte deutlich schlechter. Im Winterdienst und im Tiefkühllager ist das der spürbarste Unterschied.

Durchtrittschutz. Die klassische Stahlzwischensohle deckt nicht die komplette Sohlenfläche ab, weil sie an den Rändern Platz für die Biegung braucht. Textile Einlagen sind flexibler und decken meist mehr Fläche ab, dafür kann die Kraft bei sehr feinen Spitzen anders verteilt werden, was die Prüfung mit dem 3,0-mm-Nagel abbildet.

Was metallfreie Schuhe wirklich besser können

  • Gewicht. Ein metallfreies Paar wiegt meist spürbar weniger. Bei zehn Stunden auf den Beinen summiert sich das.
  • Kälte und Wärme. Kunststoff leitet schlechter als Stahl, der Schuh fühlt sich im Winter weniger klamm an.
  • Flexibilität. Textile Einlagen biegen sich mit, das entlastet den Fuß beim Steigen auf Leitern.
  • Detektoren. An Metallsuchgeräten, etwa in der Sicherheitskontrolle oder in der Lebensmittelproduktion, lösen sie seltener aus.

Das letzte Argument wird oft als „flughafentauglich“ verkauft. Das ist Marketing, keine Eigenschaft: Kontrollen richten sich nach den Vorgaben der jeweiligen Stelle, nicht nach der Schuhnorm.

Wo Metall weiterhin sinnvoll ist

Stahl hat zwei Vorteile, die bleiben. Er baut flacher, was in engen Schuhen Platz spart, und er ist unempfindlich gegen scharfe Kanten von der Seite. Wer in der Schrottverarbeitung oder auf Abbruchbaustellen arbeitet, wo massive Metallteile herumliegen, fährt mit Stahlkappe oft robuster.

Ein Nachteil betrifft beide Bauarten gleichermaßen: Nach einem starken Schlag wird der Schuh ausgesondert, unabhängig vom Material. Die Kappe ist auf einen einmaligen Aufprall geprüft.

Der Mythos vom „durchtrittsicheren“ Schuh

Kein Durchtrittschutz ist absolut. Geprüft wird mit einem genormten Nagel unter definierter Kraft, nicht mit allem, was auf einer Baustelle herumliegt. Ein Schuh mit S-Kennzeichnung hält feineren Spitzen stand als einer mit L, aber auch er ist keine Garantie gegen jede Verletzung.

Praktisch heißt das: Der Durchtrittschutz schützt die Sohle, nicht den Rand. Tritt man seitlich auf einen aufragenden Nagel, liegt die Stelle außerhalb der geschützten Fläche. Aufräumen bleibt deshalb die wirksamere Maßnahme, der Schuh ist die letzte Instanz.

Warum die Buchstaben erst seit 2022 auftauchen

Bis zur Fassung von 2011 war der Durchtrittschutz in der Klasse enthalten, ohne Hinweis auf das Material. Wer damals S3 kaufte, wusste nicht, ob Stahl oder Textil verbaut war, ohne in die Herstellerinformation zu schauen.

Seit der Fassung 2022 sind L und S Teil der Kennzeichnung, und das ist der eigentliche Fortschritt: Die Information steht auf dem Schuh, nicht im Datenblatt. Im Handel laufen beide Systeme weiterhin nebeneinander, weil Restbestände und ältere Zertifikate gültig bleiben. Eine S3 ohne Buchstaben kann deshalb ein Altbestand sein oder ein aktueller Schuh mit Stahleinlage.

Metallfrei und ESD sind zwei Paar Schuhe

Metallfrei sagt nichts über Ableitfähigkeit. Ein metallfreier Schuh kann ESD-fähig sein oder auch nicht, und ein Schuh mit Stahlkappe ebenso. Beides wird getrennt geprüft und getrennt gekennzeichnet. Was hinter der Ableitfähigkeit steckt, steht im Ratgeber ESD-Schuhe.

Dasselbe gilt für Antistatik: Die Klassen ab S1 enthalten sie ohnehin, unabhängig vom Material der Kappe.

Worauf du beim Kauf achtest

Erstens auf die Buchstaben. Steht nur „metallfrei“ in der Beschreibung, aber die Klasse lautet S3 ohne L oder S, ist die Einlage metallisch. Zweitens auf die Passform: Metallfreie Kappen bauen innen etwas anders auf, weshalb sich derselbe Schuh in metallfreier Ausführung anders anfühlt. Miss im Zweifel neu, wie im Ratgeber Sicherheitsschuhe Größe beschrieben.

Drittens auf den Einsatz: In trockener Halle mit Paletten reicht S1PL, im Außenbereich mit Nässe ist S3L die passende Wahl. Weitere Beiträge sammelt die Kategorie Sicherheitsschuhe.

Und ein Hinweis zur Haltbarkeit: Sicherheitsschuhe metallfrei altern nicht anders als Modelle mit Stahl, aber der Verschleiß fällt weniger auf, weil keine Metallkante durchscheint. Die Sichtprüfung an Profil, Kappe und Obermaterial bleibt deshalb dieselbe Pflicht wie sonst auch.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich metallfreie Sicherheitsschuhe?

An den Buchstaben L oder S hinter der Klasse, etwa S3L oder S1PS. Sie stehen für nichtmetallischen Durchtrittschutz. Ohne Buchstabe ist die Einlage metallisch.

Sind metallfreie Schuhe weniger sicher?

Nein. Die Anforderungen an Zehenkappe und Durchtrittschutz sind dieselben, geprüft wird nur mit unterschiedlichen Nägeln.

Was ist der Unterschied zwischen L und S?

L wird mit dem 4,5-mm-Nagel geprüft, S mit dem 3,0-mm-Nagel. Der kleinere Nagel ist die anspruchsvollere Prüfung.

Sind metallfreie Schuhe automatisch ESD-fähig?

Nein. Ableitfähigkeit wird getrennt geprüft und getrennt gekennzeichnet.

Quellen