Berufe
PSA im Gerüstbau
Absturzsicherung im Montagezustand

Kurz gesagt
Im Gerüstbau wird die Absturzsicherung getragen, bevor es einen Seitenschutz gibt – das eigene Arbeitsmittel entsteht ja erst. Üblich sind ein Auffanggurt mit Falldämpfer oder Höhensicherungsgerät, ein Helm mit Kinnriemen und Sicherheitsschuhe S3 mit Durchtrittschutz.
Wer ein Gerüst aufbaut, arbeitet an der Stelle, die noch nicht gesichert ist. Das unterscheidet den Gerüstbau von allen anderen Bauberufen: Der Schutz, von dem später alle anderen profitieren, ist genau das, was hier gerade montiert wird.
Das Arbeitsumfeld
- Montage und Demontage ohne fertigen Seitenschutz
- Heben und Reichen von Bauteilen über Kopf
- wechselnde Baustellen, oft im öffentlichen Verkehrsraum
- Wind, Nässe und glatte Beläge in Höhe
Gefährdung, Ausrüstung, Norm
| Gefährdung | Zone | Ausrüstung | Norm |
|---|---|---|---|
| Absturz im Montagezustand | Körper | Auffanggurt mit Falldämpfer oder Höhensicherungsgerät | — |
| Herabfallende Bauteile und Rohre | Kopf | Helm mit Kinnriemen, gegen seitlichen Stoß geprüft | — |
| Herabfallende Bauteile auf den Fuß | Füße | Sicherheitsschuh S3 mit Durchtrittschutz | EN ISO 20345 |
| Scharfe Kanten an Kupplungen und Rohren | Hände | Montagehandschuh mit Schnittschutzstufe | EN 388 |
| Arbeiten im Verkehrsraum | Oberkörper | Warnkleidung nach EN ISO 20471 | EN ISO 20471 |
| Wind und Nässe in Höhe | Körper | Wetterschutz, der nicht flattert | EN 343 |
Welche Schutzklasse am Schuh
Üblich ist S3: Auf dem Belag und am Boden liegen Kupplungen, Bolzen und Schrauben; Durchtrittschutz und ein Profil mit gutem Halt auf Metall sind hier wichtiger als Gewicht. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.
Werkzeug
Wähle aus, was an deinem Arbeitsplatz vorkommt – das Werkzeug ordnet die passende Klasse nach EN ISO 20345:2022 zu.
Worauf es in diesem Umfeld ankommt
Der Gurt wird im Gerüstbau die gesamte Schicht getragen, nicht nur für einzelne Handgriffe. Deshalb ist Tragekomfort hier kein Luxus, sondern der Grund, warum er überhaupt getragen wird. Ein Gurt, der drückt oder beim Bücken einschneidet, wird abgelegt, und dann hilft die beste Prüfung nichts.
Der Helm braucht zwingend einen Kinnriemen. Ein Industrieschutzhelm ist gegen Schlag von oben geprüft und sitzt lose; wer vom Gerüst kippt, verliert ihn auf dem Weg nach unten. Modelle mit Riemen und seitlicher Prüfung sind deshalb im Gerüstbau Standard.
Die Abgrenzung zum Dachdecker ist wichtig: Dort gibt es in der Regel vorbereitete Anschlagpunkte. Im Gerüstbau wird der Anschlagpunkt im Takt mit der Montage mitgeführt, und jede Lage braucht eine neue Beurteilung.
Kleidung im Alltag
Enge Abschlüsse an Ärmel und Bein sind Pflicht, weil weite Kleidung an Kupplungen und Rohren hängen bleibt.
Taschen für Schraubenschlüssel und Bolzen gehören an die Hose, nicht in die Hand. Werkzeug, das fällt, trifft die Leute darunter.
Was oft schiefgeht
Der häufigste Fehler ist das Verbindungsmittel, das zu lang gewählt wird. Bei zu großem Fallweg reicht die Höhe unter dem Anschlagpunkt nicht, und der Falldämpfer bremst erst, wenn es zu spät ist.
Der zweite ist der Gurt, der nach einem Sturz weiterbenutzt wird. Ein Gurt, der eine Sturzbelastung aufgenommen hat, wird der Benutzung entzogen, bis eine sachkundige Person ihn freigibt – auch wenn er heil aussieht.
Unterweisung und Ausbildung
Unterwiesen wird zum Montageablauf mit Absturzsicherung: Anschlagpunkt, Fallweg, Rettung aus dem Gurt. Hängetrauma ist eine eigene Gefahr und braucht einen geplanten Ablauf.
Dazu die Sichtprüfung des Gurts vor jedem Einsatz und die wiederkehrende Prüfung durch eine sachkundige Person, nach Bedarf und mindestens alle zwölf Monate.
Worauf du beim Kauf achtest
Beim Gurt zählen Verstellbereich und Schnallen. Ein Modell, das sich in Sekunden anlegen lässt, wird morgens angezogen und bleibt an.
Beim Verbindungsmittel entscheidet die verfügbare Höhe unter dem Anschlagpunkt. Kurz ist sicherer als lang, und ein Höhensicherungsgerät ist dort richtig, wo die Höhe knapp ist.
Pflege und Austausch
Gurte und Verbindungsmittel werden trocken und ohne Knick gelagert, nicht im Werkzeugkasten zwischen Kupplungen.
Öl, Kraftstoff und Säuren schädigen das Gurtband unsichtbar. Verschmutzte Gurte werden nach Herstellerangabe gereinigt, nicht mit Lösemittel.
Schutzkleidung oder Berufskleidung?
Trägt ein Kleidungsstück eine Schutznorm, ist es persönliche Schutzausrüstung: Der Betrieb stellt sie und trägt die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz). Ohne geprüfte Schutzfunktion ist es Berufskleidung, dann zählen Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Ratgeber: PSA & Schnittschutz · Glossar · Normen-Verzeichnis
Quellen
Häufige Fragen
Warum reicht ein normaler Bauhelm im Gerüstbau nicht?
Weil er ohne Kinnriemen beim Sturz vom Kopf fällt. Im Gerüstbau sind Helme mit Riemen üblich, die auch gegen seitliche Stöße geprüft sind.
Muss der Auffanggurt geprüft werden?
Ja. Vor jedem Einsatz durch die benutzende Person per Sichtprüfung, dazu nach Bedarf und mindestens alle zwölf Monate durch eine sachkundige Person. Nach einer Sturzbelastung wird der Gurt der Benutzung entzogen, bis eine sachkundige Person ihn wieder freigibt.
Brauche ich im Gerüstbau Warnkleidung?
Sobald im öffentlichen Verkehrsraum oder neben fahrenden Fahrzeugen gearbeitet wird, ja.
Passende Ratgeber
- PSA: Pflicht, Kategorien und wer sie bezahlt
- Arbeitsjacke: Wetterschutz nach Norm verstehen
- Auffanggurt Prüfung: Fristen und Sachkunde
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