Berufe
PSA im Dachdeckerhandwerk
Absturz, Wetter, heiße Abdichtung

Kurz gesagt
Auf dem Dach steht der Absturzschutz an erster Stelle, und zwar in dieser Reihenfolge: technische Sicherung wie Gerüst oder Seitenschutz, dann Auffangnetze, erst danach persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz. Diese besteht aus Auffanggurt nach EN 361, Verbindungsmittel mit Falldämpfer und einer geeigneten Anschlageinrichtung. Dazu kommen Helm mit Kinnriemen, Schuhe mit Profil und Wetterschutz.
Kein Berufsumfeld hat eine so klare Rangfolge wie das Dach. Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz ist dort die letzte Stufe, nicht die erste, und sie funktioniert nur als vollständiges System.
Das Arbeitsumfeld
- Absturzkanten, Dachöffnungen und Lichtkuppeln
- geneigte, oft rutschige Flächen
- Wind und Wetter ohne Schutz
- heiße Abdichtungsmassen und Brenner bei Flachdächern
Gefährdung, Ausrüstung, Norm
| Gefährdung | Zone | Ausrüstung | Norm |
|---|---|---|---|
| Absturz von der Dachfläche | ganzer Körper | Auffangsystem aus Gurt, Verbindungsmittel und Anschlagpunkt | — |
| Anprall des Kopfes, herabfallende Teile | Kopf | Schutzhelm mit Kinnriemen | — |
| Abrutschen auf der Dachfläche | Füße | Sicherheitsschuh mit profilierter Sohle | EN ISO 20345 |
| Heiße Massen, Bitumen, Brennerarbeit | Hände und Beine | hitzebeständige Handschuhe, geschlossene Kleidung | — |
| Sonne, Wind, Nässe | ganzer Körper | Wetter- und UV-Schutz | — |
Welche Schutzklasse am Schuh
Üblich ist S3 mit gutem Profil: Nässe, unebener Untergrund und Durchtrittsgefahr durch Nägel und Blechreste; bei Arbeiten mit heißen Massen zusätzlich auf Hitzebeständigkeit der Sohle achten. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.
Werkzeug
Wähle aus, was an deinem Arbeitsplatz vorkommt – das Werkzeug ordnet die passende Klasse nach EN ISO 20345:2022 zu.
Worauf es in diesem Umfeld ankommt
Ein Auffangsystem besteht nach EN 363 aus drei Teilen: Auffanggurt nach EN 361, einem Verbindungselement wie Verbindungsmittel mit Falldämpfer nach EN 354 und EN 355, einem mitlaufenden Auffanggerät nach EN 353-2 oder einem Höhensicherungsgerät nach EN 360, und einer geeigneten Anschlageinrichtung nach EN 795. Fehlt ein Teil, ist es kein System.
Der Falldämpfer ist nicht optional. Er begrenzt den Fangstoß auf höchstens 6 Kilonewton. Ohne ihn wirkt die volle Energie des Sturzes auf den Körper.
Rückhaltesysteme und Auffangsysteme sind zwei verschiedene Dinge. Ein Rückhaltesystem verhindert, dass man die Absturzkante überhaupt erreicht; es ist nicht dafür ausgelegt, einen Sturz aufzufangen.
Kleidung im Alltag
Auf dem Dach entscheidet Wetterschutz über den Arbeitstag: Regenschutz nach EN 343 für die nasse Jahreszeit, atmungsaktive Lagen im Sommer, dazu UV-Schutz, weil kaum ein Arbeitsplatz so ungeschützt in der Sonne liegt.
Kleidung darf nicht lose sitzen. Weite Jacken und offene Kordeln bleiben an Dachhaken, Latten und am Aufzug hängen. Was am Boden bequem ist, wird auf dem Dach zum Risiko.
Was oft schiefgeht
Der häufigste Fehler ist der falsche Anschlagpunkt. Eine Dachlatte, ein Kamin oder ein Geländer sind keine Anschlageinrichtung nach EN 795, solange sie nicht dafür geprüft und ausgelegt sind.
Der zweite Fehler ist der fehlende Rettungsplan. Wer im Gurt hängt, muss schnell befreit werden, weil das Hängen im Gurt selbst gefährlich ist. Wie gerettet wird, gehört vor Arbeitsbeginn geklärt, nicht danach.
Unterweisung und Ausbildung
PSA gegen Absturz gehört zur Kategorie III. Vor der ersten Benutzung ist eine Unterweisung mit praktischer Übung vorgeschrieben, und sie wird wiederholt. Das betrifft Anlegen, Einstellen, Anschlagen und die Rettung.
Die Ausrüstung wird regelmäßig durch eine sachkundige Person geprüft, üblicherweise jährlich, und nach jedem Sturz ausgesondert. Gurte altern auch ungenutzt, deshalb zählen Herstelldatum und Prüfprotokoll.
Worauf du beim Kauf achtest
Beim Auffangsystem entscheidet der Anschlagpunkt über alles Weitere. Gibt es am Gebäude eine Anschlageinrichtung nach EN 795, wähle Verbindungsmittel und Falldämpfer passend zur Absturzhöhe darunter. Fehlt sie, ist die Frage nicht, welchen Gurt du kaufst, sondern wie der Anschlagpunkt entsteht.
Achte bei Höhensicherungsgeräten auf die Kantenprüfung. Auf dem Dach läuft das Band oft über eine Attika oder eine Traufkante; Geräte ohne entsprechende Prüfung sind dafür nicht gedacht.
Beim Schuh zählt neben S3 die Sohlenhärte. Eine zu weiche Sohle gibt auf der Lattung nach, eine zu harte rutscht auf glatten Ziegeln. Wer beides kennt, probiert Modelle im Sortiment des Betriebs aus, statt nach Klasse allein zu kaufen.
Pflege und Austausch
Gurte und Seile werden trocken und dunkel gelagert, nicht im Transporter in der Sonne. UV-Licht und scharfe Kanten sind die beiden größten Feinde.
Verschmutzte Gurte werden nach Herstellerangabe gereinigt, nie mit Lösemitteln. Ein Gurt mit Farb- oder Bitumenresten lässt sich nicht mehr zuverlässig prüfen.
Schutzkleidung oder Berufskleidung?
Trägt ein Kleidungsstück eine Schutznorm, ist es persönliche Schutzausrüstung: Der Betrieb stellt sie und trägt die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz). Ohne geprüfte Schutzfunktion ist es Berufskleidung, dann zählen Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Ratgeber: PSA & Schnittschutz · Glossar · Normen-Verzeichnis
Quellen
- Arbeitsschutzgesetz, § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
- PSA-Benutzungsverordnung
- Verordnung (EU) 2016/425, Anhang I: Kategorie III
- EN 361, EN 355, EN 360, EN 353-2 und EN 795 (Normtexte, kostenpflichtig über DIN Media)
Häufige Fragen
Ab welcher Höhe ist Absturzsicherung nötig?
Das legen die Arbeitsstättenregeln und die Vorschriften der Unfallversicherung fest, abhängig von Arbeitsplatz und Absturzkante. Die Gefährdungsbeurteilung des Betriebs setzt das um.
Reicht ein Auffanggurt allein?
Nein. Ein Auffangsystem besteht aus Gurt, Verbindungselement mit Falldämpfer und einer geeigneten Anschlageinrichtung.
Wie oft wird die Ausrüstung geprüft?
Regelmäßig durch eine sachkundige Person, üblicherweise jährlich, und nach jedem Sturz wird sie ausgesondert.