Unterschied S1 S2 S3 bei Sicherheitsschuhen erklärt

Inhalt dieses Artikels
  1. Der Unterschied S1 S2 S3 in einer Tabelle
  2. S1 oder S2: Es geht nur um Nässe
  3. S2 oder S3: Durchtrittschutz und Profil
  4. Und wo bleibt S1P?
  5. Welche Klasse wofür
  6. Drei Irrtümer, die teuer werden
  7. Gummistiefel laufen ausserhalb dieser Reihe
  8. Zusatzkennzeichen ändern die Klasse nicht
  9. Häufige Fragen

Kurz gesagt: Der Unterschied S1 S2 S3 liegt in zwei Eigenschaften: S2 ergänzt S1 um wasserabweisendes Obermaterial, S3 ergänzt S2 um Durchtrittschutz und eine profilierte Laufsohle. Zehenkappe, geschlossene Ferse, Antistatik und Energieaufnahme stecken in allen drei Klassen.

Drei Buchstaben-Zahlen-Kombinationen, ein Regal, und niemand erklärt den Sprung dazwischen. Dabei sind es nur zwei Eigenschaften, die die Klassen trennen. Wer sie kennt, entscheidet in zehn Sekunden.

Der Unterschied S1 S2 S3 in einer Tabelle

Die Klassen der EN ISO 20345 bauen aufeinander auf. Jede enthält alles aus der darunterliegenden. Die Tabelle zeigt nur, was jeweils dazukommt.

Was S1, S2 und S3 unterscheidet (EN ISO 20345:2022)
Eigenschaft S1 S2 S3
Zehenkappe, 200 Joule ja ja ja
Geschlossener Fersenbereich ja ja ja
Antistatisch, Energieaufnahme ja ja ja
Wasserabweisendes Obermaterial (WPA) nein ja ja
Durchtrittschutz nein nein ja
Profilierte Laufsohle nein nein ja

Daraus ergibt sich die Faustregel: S1 für trocken, S2 für feucht, S3 für draußen und für Böden, auf denen etwas Spitzes liegen kann.

S1 oder S2: Es geht nur um Nässe

Zwischen S1 und S2 liegt genau ein Prüfpunkt: das Obermaterial. S2 muss zeigen, dass es Wasser weder schnell durchlässt noch stark aufsaugt. Das Kürzel dafür heißt seit der Fassung 2022 WPA, vorher stand dort WRU.

Wichtig ist, was S2 nicht verspricht: Geprüft wird das Material, nicht der fertige Schuh. Nähte und der Übergang zum Schaft bleiben aussen vor. Wer durch stehendes Wasser läuft, bekommt nasse Füße, auch im S2. Dafür gibt es S6 und S7, bei denen der komplette Schuh auf Wasserdichtheit geprüft wird.

S2 oder S3: Durchtrittschutz und Profil

Der Sprung von S2 auf S3 bringt zwei Dinge auf einmal. Erstens die Einlage gegen Durchstich, umgangssprachlich Durchtrittschutz. Zweitens eine profilierte Laufsohle. Genau deshalb landen Arbeiten im Gelände fast automatisch bei S3, auch wenn weit und breit kein Nagel liegt: Das Profil verlangt die Norm erst ab dieser Klasse.

Seit 2022 steht hinter dem S3 manchmal ein L oder ein S, also S3L oder S3S. Die Buchstaben verraten die Bauart der Einlage: L und S stehen für nichtmetallische Einlagen, geprüft mit einem 4,5-Millimeter- beziehungsweise einem 3,0-Millimeter-Nagel. Ohne Zusatz steckt Metall in der Sohle.

Und wo bleibt S1P?

S1P ist die Klasse, die in dieser Aufzählung gern untergeht: S1 plus Durchtrittschutz, aber ohne wasserabweisendes Obermaterial und ohne Profilpflicht. Für trockene Hallen mit Paletten, Nägeln oder Metallspänen ist das oft die ehrlichere Wahl als ein S3, weil der Schuh leichter bleibt.

Ein S1P ist deshalb kein „kleines S3″. Wer beides vergleicht, vergleicht einen Hallenschuh mit einem Aussenschuh.

Welche Klasse wofür

Typische Arbeitsplätze und die dazu passende Klasse
Arbeitsplatz Was vorkommt Klasse
Montage, trockene Halle ebener Boden, keine spitzen Teile S1
Lager mit Paletten Nägel, Klammern, trocken S1P
Werkstatt, Küche Feuchtigkeit, glatte Böden S2, sinnvoll mit SR
Baustelle, Aussenbereich Nässe, Schutt, unebener Grund S3
Tiefbau, dauerhaft nass stehendes Wasser, Matsch S7

Die Zuordnung ist Orientierung, keine Vorschrift. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt der Arbeitgeber in der Gefährdungsbeurteilung fest. Wer die vier Fragen lieber durchklickt, nutzt den Sicherheitsschuh-Finder. Die vollständige Übersicht aller Klassen steht im Ratgeber Schutzklassen bei Sicherheitsschuhen, weitere Beiträge in der Kategorie Sicherheitsschuhe.

Drei Irrtümer, die teuer werden

„Höher ist immer besser.“ Ein S3 wiegt mehr, ist wärmer und hat eine steifere Sohle. In einer trockenen Halle kaufst du dir damit vor allem müde Füße.

„S3 ist wasserdicht.“ Nein. S3 verlangt wasserabweisendes Obermaterial. Geprüft wasserdicht sind S6 und S7.

„S1 ist kein richtiger Sicherheitsschuh.“ Auch S1 hat die Zehenkappe mit 200 Joule. Der Unterschied liegt bei Nässe und Durchtritt, nicht beim Zehenschutz.

Ein praktischer Nebeneffekt der Systematik: Wer die Klasse einmal bestimmt hat, kann Modelle verschiedener Hersteller direkt vergleichen. Zwei Schuhe mit derselben Klasse haben dieselben geprüften Schutzeigenschaften, egal was die Produktbeschreibung sonst verspricht. Unterschiede liegen dann bei Gewicht, Passform, Schafthöhe und Sohlendämpfung, also genau bei den Dingen, die keine Norm regelt und die du am besten selbst anprobierst.

Gummistiefel laufen ausserhalb dieser Reihe

S1, S2 und S3 gelten für Schuhe aus Leder oder Textil. Stiefel aus Vollgummi oder Polymer bilden eine eigene Gruppe mit den Klassen S4 und S5. Sie sind durch ihr Material wasserdicht, brauchen also keinen Nässe-Prüfpunkt. S4 entspricht dabei grob dem Umfang von S1, S5 dem von S3, mit Durchtrittschutz und Profil.

Wer im Lebensmittelbetrieb, in der Reinigung oder in der Landwirtschaft arbeitet, vergleicht deshalb nicht S2 gegen S3, sondern S4 gegen S5. Der Rest der Systematik bleibt gleich.

Zusatzkennzeichen ändern die Klasse nicht

Hinter der Klasse steht oft noch eine Buchstabenkette, etwa „S2 SR“ oder „S1P ESD“. Diese Zusätze sind eigene Prüfungen und verschieben die Klasse nicht nach oben. Ein S2 mit SR bleibt ein S2, es hat nur zusätzlich den Rutschtest auf Keramik mit Glycerin bestanden.

Drei Zusätze sieht man besonders häufig. FO steht für eine Sohle, die Öl und Kraftstoff verträgt, und war vor 2022 noch fester Bestandteil von S1 bis S3. CI bedeutet, dass der Sohlenaufbau gegen Kälte isoliert geprüft ist. ESD gehört gar nicht zur Schuhnorm, sondern zu einer eigenen Norm für elektrostatisch sensible Bereiche.

Für den Vergleich heißt das: Erst die Klasse anhand von Nässe und Durchtritt bestimmen, dann die Zusätze nach den Besonderheiten des Arbeitsplatzes wählen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen S1 und S2?

S2 hat zusätzlich ein Obermaterial, das Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme begrenzt. Sonst sind beide Klassen identisch.

Was ist der Unterschied zwischen S2 und S3?

S3 ergänzt Durchtrittschutz und eine profilierte Laufsohle.

Ist S1P dasselbe wie S3?

Nein. S1P hat Durchtrittschutz, aber weder wasserabweisendes Obermaterial noch die Profilpflicht.

Was bedeuten S3L und S3S?

Nichtmetallischer Durchtrittschutz, geprüft mit einem 4,5-Millimeter-Nagel (L) oder einem 3,0-Millimeter-Nagel (S).

Quellen