Berufe
PSA im Labor
Handschuh nach Stoff, nicht nach Tätigkeit

Kurz gesagt
Im Labor gilt ein anderes Auswahlprinzip als überall sonst: Der Handschuh wird nach dem Stoff ausgewählt, mit dem gearbeitet wird, und nach seiner Durchbruchzeit für genau diesen Stoff. Dazu kommen der langärmlige Kittel, die Schutzbrille mit Seitenschutz oder Korbbrille und geschlossene Schuhe.
Wer im Labor nach dem Allzweckhandschuh sucht, sucht etwas, das es nicht gibt. Ein Material, das gegen Aceton hält, versagt gegen Dichlormethan, und umgekehrt. Deshalb steht am Anfang nicht der Katalog, sondern das Sicherheitsdatenblatt.
Das Arbeitsumfeld
- Umgang mit Säuren, Laugen und Lösemitteln
- Spritz- und Berstgefahr an Glasgeräten
- Arbeiten am Abzug und mit Druck oder Vakuum
- Brandgefahr durch leicht entzündbare Flüssigkeiten
Gefährdung, Ausrüstung, Norm
| Gefährdung | Zone | Ausrüstung | Norm |
|---|---|---|---|
| Chemikalien an den Händen | Hände | Handschuh nach EN ISO 374-1 mit Durchbruchzeit für den Stoff | EN ISO 374-1 |
| Spritzer und berstende Glasgeräte | Augen | Gestellbrille mit Seitenschutz oder Korbbrille nach EN 166 | — |
| Spritzer auf Kleidung und Unterarme | Körper | Langärmliger Laborkittel, geschlossen getragen | EN ISO 13688 |
| Herabfallende Gefäße, verschüttete Flüssigkeit | Füße | Geschlossener Schuh, je nach Bereich S1 oder S2 | EN ISO 20345 |
| Stichflamme und Entzündung | Körper | Kittel aus Baumwolle statt Polyester | — |
| Druck, Vakuum, stark exotherme Reaktion | Gesicht | Gesichtsschutzschirm zusätzlich zur Brille | — |
Welche Schutzklasse am Schuh
Üblich ist O1 bis O2, im Technikum S1 oder S2: Im reinen Laborbetrieb genügt ein geschlossener Berufsschuh, weil die Gefährdung aus verschütteter Flüssigkeit und Glasbruch kommt; wo Gebinde bewegt werden, kommt die Zehenkappe dazu. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.
Werkzeug
Wähle aus, was an deinem Arbeitsplatz vorkommt – das Werkzeug ordnet die passende Klasse nach EN ISO 20345:2022 zu.
Worauf es in diesem Umfeld ankommt
Die Angabe auf dem Handschuh ist keine Note, sondern eine Zeit. EN ISO 374-1 beschreibt, wie lange ein Material einem bestimmten Stoff standhält, bevor er durchtritt. Diese Durchbruchzeit gilt pro Stoff, nicht pro Handschuh – deshalb steht im Sicherheitsdatenblatt, welches Material gefragt ist.
Der Kittel hat zwei Aufgaben, und die zweite wird oft vergessen: Er fängt Spritzer ab, und er lässt sich im Brandfall schnell ausziehen. Deshalb ist Baumwolle die bessere Wahl als Polyester, das schmilzt und auf der Haut bleibt, und deshalb wird er geschlossen getragen und nicht offen.
Einmalhandschuhe aus dünnem Nitril sind für kurze Handgriffe gedacht, nicht für das Arbeiten in der Flüssigkeit. Wer in einem Lösemittel rührt oder umfüllt, braucht einen dickeren, wiederverwendbaren Handschuh mit dokumentierter Durchbruchzeit.
Kleidung im Alltag
Lange Hosen und geschlossene Schuhe sind in den meisten Laboren Vorgabe, weil verschüttete Flüssigkeit nach unten läuft.
Lange Haare werden zusammengebunden, nicht wegen der Hygiene, sondern wegen offener Flammen und rotierender Teile.
Was oft schiefgeht
Der häufigste Fehler ist der Einmalhandschuh, der zu lange getragen wird. Er hat seine Durchbruchzeit längst überschritten und hält die Chemikalie dann an der Haut, statt sie fernzuhalten.
Der zweite ist die Brille auf der Stirn. Sie schützt im entscheidenden Moment genau dort, wo nichts passiert.
Unterweisung und Ausbildung
Unterwiesen wird anhand der Betriebsanweisung je Stoff, nicht allgemein. Sie nennt Handschuhmaterial, Augenschutz und das Verhalten im Schadensfall.
Dazu gehört die Lage von Augendusche, Notdusche und Löschmittel, weil im Ernstfall Sekunden zählen.
Worauf du beim Kauf achtest
Erst das Sicherheitsdatenblatt, dann der Handschuh. Abschnitt 8 nennt das empfohlene Material und die Durchbruchzeit; alles andere ist Raten.
Beim Augenschutz entscheidet die Art der Gefährdung: Gestellbrille mit Seitenschutz gegen Partikel, Korbbrille gegen Flüssigkeit, Gesichtsschutz zusätzlich bei Druck und Bersten.
Pflege und Austausch
Wiederverwendbare Chemikalienschutzhandschuhe werden nach jedem Einsatz außen gespült und getrocknet; aufgequollenes oder klebriges Material wird ersetzt.
Kittel werden getrennt gewaschen und nicht mit nach Hause genommen, weil Rückstände mitwandern.
Schutzkleidung oder Berufskleidung?
Trägt ein Kleidungsstück eine Schutznorm, ist es persönliche Schutzausrüstung: Der Betrieb stellt sie und trägt die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz). Ohne geprüfte Schutzfunktion ist es Berufskleidung, dann zählen Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.
Ratgeber: Berufsbekleidung · Glossar · Normen-Verzeichnis
Quellen
Häufige Fragen
Welcher Handschuh für welche Chemikalie?
Das steht im Sicherheitsdatenblatt des Stoffs, Abschnitt 8. Dort sind Material und Durchbruchzeit genannt. Eine Materialangabe allein, etwa Nitril, reicht nicht.
Warum Baumwolle statt Polyester beim Laborkittel?
Polyester schmilzt bei einer Stichflamme und bleibt auf der Haut haften. Baumwolle verbrennt, schmilzt aber nicht.
Reichen Einmalhandschuhe im Labor?
Für kurze Handgriffe ja. Wer in einer Flüssigkeit arbeitet oder umfüllt, braucht einen dickeren, wiederverwendbaren Handschuh mit dokumentierter Durchbruchzeit.
Weitere Berufsumfelder
- Trockenbau
- Forstwirtschaft
- Lager und Logistik
- Dachdecker
- Maler und Lackierer
- Straßen- und Tiefbau
- Garten- und Landschaftsbau
- Elektrotechnik
- Gastronomieküche
- Pflege und Klinik
- Metallbau und Schweißen
- Kfz-Werkstatt
- Gebäudereinigung
- Schreinerei und Tischlerei
- Sanitär, Heizung, Klima
- Landwirtschaft
- Maurer und Rohbau
- Bäckerei
- Fleischerei
- Zimmerer und Holzbau
- Gerüstbau
- Fliesenleger
- Abfallwirtschaft
- Friseurhandwerk
- Kälte- und Klimatechnik