Berufe

PSA in der Landwirtschaft

Pflanzenschutz, Stallstaub, eigene Normen

Landwirtschaft: Pflanzenschutzarbeit mit Schutzanzug, Handschuhen und Atemschutz
Landwirtschaft: typisches Arbeitsumfeld. (Symbolbild, KI-generiert)

Kurz gesagt

Die Landwirtschaft hat eine eigene Normenfamilie, die sonst nirgends vorkommt: EN ISO 27065 für Schutzkleidung gegen Pflanzenschutzmittel mit den Stufen C1 bis C3 und ISO 18889 für die passenden Handschuhe. Dazu kommen Atemschutz gegen Stallstaub und Bioaerosole, Gehörschutz an der Maschine und Stiefel mit Zehenschutz.

Wer in der Landwirtschaft arbeitet, wechselt an einem Tag zwischen Feld, Stall und Werkstatt. Jeder dieser Orte hat eine andere Gefährdung, und für den Pflanzenschutz gelten eigene Regeln, die mit Bau- oder Industrie-PSA nichts zu tun haben.

Das Arbeitsumfeld

  • Ausbringen und Anmischen von Pflanzenschutzmitteln
  • Staub und Bioaerosole im Stall und am Silo
  • Maschinenlärm bei Ernte und Bodenbearbeitung
  • Nässe, Gülle und schwere Lasten im Betrieb

Gefährdung, Ausrüstung, Norm

GefährdungZoneAusrüstungNorm
Pflanzenschutzmittel auf der HautKörperSchutzkleidung nach EN ISO 27065, Stufe C1 bis C3—
Pflanzenschutzmittel an den HändenHändeHandschuhe nach ISO 18889 oder EN ISO 374EN ISO 374-1
Spritznebel und SpritzerAugenKorbbrille oder Gesichtsschutz nach EN 166—
Stallstaub, Bioaerosole, SilostaubAtemwegePartikelfilternde Maske nach Gefährdungsbeurteilung—
Maschinenlärm, Gebläse, MotorsägeGehörKapsel- oder Stöpselgehörschutz passend zum Pegel—
Nässe, Tritt, schwere LastenFüßeStiefel S4 oder S5, im Hof S3EN ISO 20345

Welche Schutzklasse am Schuh

Üblich ist S5 im Stall, S3 im Hof: Im Stall zählt der wasserdichte Schaft plus Durchtrittschutz, weil gewaschen wird und Tritte vorkommen; auf dem Hof und in der Werkstatt ist der Lederschuh S3 die bequemere Wahl. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.

Werkzeug

Wähle aus, was an deinem Arbeitsplatz vorkommt – das Werkzeug ordnet die passende Klasse nach EN ISO 20345:2022 zu.

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Worauf es in diesem Umfeld ankommt

Die Zuständigkeit ist eine andere als im Rest dieses Verzeichnisses. Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe ist nicht eine Berufsgenossenschaft zuständig, sondern die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Deren Vorschriften und Broschüren sind die Primärquelle, nicht die DGUV-Regeln.

EN ISO 27065 unterscheidet drei Stufen. C1 und C2 beschreiben Arbeitskleidung mit begrenztem Schutz, C3 den eigentlichen Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel. Ein Einwegoverall Typ 5 oder 6 aus dem Baumarkt ist damit nicht gleichzusetzen; er ist gegen Staub und begrenzt gegen Sprühnebel geprüft, nicht gegen Pflanzenschutzmittel.

Welche Ausrüstung für ein bestimmtes Mittel nötig ist, steht in der Zulassung und auf dem Etikett. Das ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Berufen hier: Nicht die Tätigkeit bestimmt die Ausrüstung, sondern das Produkt in der Hand.

Kleidung im Alltag

Kontaminierte Kleidung gehört nicht in die Haushaltswäsche zu Familienwäsche. Sie wird getrennt gewaschen, und der Schutzanzug wird vor dem Ausziehen abgespült.

Im Stall ist leichte, waschbare Kleidung sinnvoller als dicke Schichten, weil sie häufig gewechselt wird. Staub wird sonst in den Wohnbereich getragen.

Was oft schiefgeht

Der häufigste Fehler steckt im Anmischen, nicht im Ausbringen. Beim Umfüllen des Konzentrats ist die Belastung am höchsten, und genau da wird die Brille oft weggelassen.

Der zweite ist der Handschuh, der nach dem Spritzen in der Kabine landet. Er trägt das Mittel ins Fahrzeug und an das Lenkrad.

Unterweisung und Ausbildung

Die Sachkunde im Pflanzenschutz ist eigenständig geregelt und muss regelmäßig aufgefrischt werden. Sie ist mehr als eine Unterweisung.

Zum Atemschutz im Stall gehört die Frage, ob eine Maske überhaupt getragen werden kann; bei Hitze und körperlicher Arbeit ist sie eine Belastung.

Worauf du beim Kauf achtest

Erst das Etikett des Mittels lesen, dann die Ausrüstung kaufen. Die Zulassung nennt die nötige Schutzausrüstung, und sie unterscheidet sich je Produkt.

Bei Handschuhen für den Pflanzenschutz zählt die Prüfung nach ISO 18889 oder EN ISO 374 mit der Durchbruchzeit für genau dieses Mittel, nicht die Materialangabe Nitril.

Pflege und Austausch

Wiederverwendbare Pflanzenschutz-Handschuhe werden außen abgespült, bevor sie ausgezogen werden, und anschließend getrocknet.

Schutzanzüge haben eine begrenzte Zahl an Wäschen; die Herstellerangabe dazu steht in der Information zum Produkt.

Schutzkleidung oder Berufskleidung?

Trägt ein Kleidungsstück eine Schutznorm, ist es persönliche Schutzausrüstung: Der Betrieb stellt sie und trägt die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz). Ohne geprüfte Schutzfunktion ist es Berufskleidung, dann zählen Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.

Häufige Fragen

Welche Norm gilt für Pflanzenschutzkleidung?

EN ISO 27065 mit den Stufen C1, C2 und C3. C3 ist der Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel, C1 und C2 beschreiben Arbeitskleidung mit begrenztem Schutz.

Reicht ein Einwegoverall aus dem Baumarkt?

Nein. Typ 5 und 6 sind gegen Staub und begrenzt gegen Sprühnebel geprüft, nicht gegen Pflanzenschutzmittel. Welche Ausrüstung nötig ist, steht in der Zulassung des Mittels.

Wer ist für den Arbeitsschutz in der Landwirtschaft zuständig?

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, nicht eine gewerbliche Berufsgenossenschaft.

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