Berufe

PSA im Rohbau

Frischbeton, Helmpflicht, Quarzstaub

Maurer und Rohbau: Mauerarbeiten mit Helm, Handschuhen und Sicherheitsschuhen
Maurer und Rohbau: typisches Arbeitsumfeld. (Symbolbild, KI-generiert)

Kurz gesagt

Im Rohbau greifen drei Dinge ineinander: der Helm, der über die ganze Schicht getragen wird, der Sicherheitsschuh S3 mit Durchtrittschutz, und der Handschuh, der zwei Dinge gleichzeitig können muss – mechanisch halten und Frischbeton abhalten. Dazu kommt Atemschutz überall dort, wo quarzhaltiger Staub entsteht.

Frischer Beton sieht harmlos aus und ist es nicht. Er reagiert stark alkalisch, und wer ihn über Stunden an den Unterarmen hat, bekommt Verätzungen, die erst später wehtun. Das ist der Punkt, an dem sich der Rohbau von allen anderen Bauberufen unterscheidet.

Das Arbeitsumfeld

  • Frischbeton, Mörtel und Zementschlämme an Haut und Kleidung
  • herabfallende Teile und Kranlasten über dem Kopf
  • quarzhaltiger Staub beim Schneiden, Schleifen und Stemmen
  • unebener Untergrund mit Bewehrung, Schrauben und Schalungsresten

Gefährdung, Ausrüstung, Norm

GefährdungZoneAusrüstungNorm
Alkalischer Frischbeton und MörtelHändeFlüssigkeitsdichter Handschuh mit ChemikalienprüfungEN ISO 374-1
Scharfe Kanten, Bewehrung, SteineHändeMechanische Prüfung nach EN 388 zusätzlichEN 388
Herabfallende Teile und KranlastenKopfIndustrieschutzhelm nach EN 397—
Nägel, Bewehrung, Schalungsreste am BodenFüßeSicherheitsschuh S3 mit DurchtrittschutzEN ISO 20345
Quarzhaltiger Staub beim Trennen und StemmenAtemwegePartikelfilternde Maske plus Absaugung oder Nassschnitt—
Arbeiten auf den Knien beim VerlegenKnieKnieschutz nach EN 14404EN 14404

Welche Schutzklasse am Schuh

Üblich ist S3: Durchtrittschutz ist auf der Rohbaustelle nicht verhandelbar, weil Bewehrung und Schalungsnägel überall liegen; dazu Wasserdichtigkeit des Obermaterials, weil mit Wasser und Schlämme gearbeitet wird. Welche Klasse im Betrieb gilt, legt die Gefährdungsbeurteilung fest.

Werkzeug

Wähle aus, was an deinem Arbeitsplatz vorkommt – das Werkzeug ordnet die passende Klasse nach EN ISO 20345:2022 zu.

Sicherheitsschuh-Finder öffnen

Worauf es in diesem Umfeld ankommt

Frischbeton ist stark alkalisch. Der Handschuh muss deshalb zwei Prüfungen bestehen: EN 388 für die mechanische Belastung und eine Prüfung nach EN ISO 374 für die Dichtheit gegen die Flüssigkeit. Ein beschichteter Strickhandschuh erfüllt nur die erste Hälfte, denn Zementschlämme zieht durch die Strickseite ein und steht dann an der Haut.

Zement ist in der EU chromatreduziert, weil Chrom VI ein starkes Kontaktallergen ist. Die Reduktion hat aber eine begrenzte Haltbarkeit; nach Ablauf der angegebenen Verwendbarkeitsdauer wirkt sie nicht mehr zuverlässig. Das Datum steht auf dem Sack, die Angaben dazu im Sicherheitsdatenblatt.

Der Rohbau ist einer der wenigen Bereiche mit echter Helmpflicht über die gesamte Schicht, weil über den Köpfen gearbeitet und gehoben wird. Eine Anstoßkappe ersetzt den Helm dort nicht; sie schützt gegen Stoßen, nicht gegen Fall von oben.

Kleidung im Alltag

Lange Ärmel sind im Rohbau kein Komfortthema, sondern Hautschutz. Unterarme sind die Stelle, an der Zementverätzungen am häufigsten entstehen.

Hosenbeine über dem Schaft statt hineingesteckt: Sonst läuft Schlämme in den Schuh und steht dort den ganzen Tag an der Haut.

Was oft schiefgeht

Der häufigste Fehler ist der nasse Handschuh, der weitergetragen wird. Hat sich Zementschlämme erst innen gesammelt, wirkt der Handschuh wie ein Umschlag und verstärkt die Einwirkung.

Der zweite ist der Trockenschnitt ohne Absaugung. Quarzhaltiger Staub ist nicht sichtbar gefährlich, und die Schädigung zeigt sich erst nach Jahren.

Unterweisung und Ausbildung

Unterwiesen wird zum Hautschutz: welcher Handschuh, wann gewechselt wird, wie die Haut vor und nach der Schicht behandelt wird.

Zum Helm gehört die Frage der Ablegefrist; auch ein unbeschädigter Helm altert und wird nach Herstellerangabe ersetzt.

Worauf du beim Kauf achtest

Beim Handschuh für Frischbeton entscheidet die Kombination: flüssigkeitsdicht und mechanisch belastbar. Eine lange Stulpe schützt den Unterarm, und genau dort entstehen die Verätzungen.

Beim Helm zählt die Norm EN 397 und der Kinnriemen dort, wo Absturzgefahr besteht. Ohne Riemen liegt der Helm im Ernstfall neben der Person.

Pflege und Austausch

Handschuhe mit Chemikalienprüfung werden nach der Schicht außen abgespült und getrocknet. Innen feucht eingelagert, verlieren sie ihre Wirkung.

Zementreste an Hose und Jacke werden vor dem Waschen abgebürstet, sonst wirkt der Rest wie Schmirgel im Gewebe.

Schutzkleidung oder Berufskleidung?

Trägt ein Kleidungsstück eine Schutznorm, ist es persönliche Schutzausrüstung: Der Betrieb stellt sie und trägt die Kosten (§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz). Ohne geprüfte Schutzfunktion ist es Berufskleidung, dann zählen Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung.

Häufige Fragen

Warum reicht ein normaler Arbeitshandschuh im Rohbau nicht?

Weil Frischbeton stark alkalisch ist. Ein beschichteter Strickhandschuh ist mechanisch geprüft, aber nicht flüssigkeitsdicht; Zementschlämme zieht durch die Strickseite ein.

Brauche ich im Rohbau wirklich immer einen Helm?

Wo über den Köpfen gearbeitet oder gehoben wird, ja. Eine Anstoßkappe ist kein Ersatz, sie schützt gegen Stoßen, nicht gegen Fall von oben.

Was ist eine Zementverätzung?

Eine Hautschädigung durch den alkalischen Frischbeton. Sie tut anfangs kaum weh, deshalb wird sie oft zu spät bemerkt.

Passende Ratgeber

Weitere Berufsumfelder